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Fressen Ameisen Blattläuse: Beziehung zwischen Insekten
gennaio 24, 2026 Patricia Titz

Fressen Ameisen Blattläuse: Beziehung zwischen Insekten

Es ist ein Bild, das jeder Hobbygärtner kennt: Auf den jungen Trieben der Rosen oder am Stamm des Obstbaumes herrscht reges Treiben. Ameisen laufen hektisch auf und ab, und bei genauerem Hinsehen entdeckt man dichte Kolonien von Blattläusen. Die naheliegende Vermutung vieler Gartenbesitzer ist, dass die Ameisen Jagd auf die Schädlinge machen und sie fressen. Doch der Schein trügt oft. Die Beziehung zwischen diesen beiden Insektengruppen ist weit komplexer und faszinierender, als es auf den ersten Blick scheint. Handelt es sich um eine Räuber-Beute-Beziehung oder um eine ausgeklügelte Partnerschaft zum gegenseitigen Vorteil? In diesem Artikel tauchen wir tief in die Welt der Trophobiose ein, klären die Frage, ob und wann Ameisen Blattläuse fressen, und zeigen auf, was das für Ihren Garten bedeutet.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Symbiose statt Krieg: In den meisten Fällen leben Ameisen und Blattläuse in einer sogenannten Trophobiose. Die Ameisen beschützen die Läuse und erhalten im Gegenzug zuckerhaltigen Honigtau.
  • Ameisen als "Melker": Durch Betrillern mit den Fühlern regen Ameisen die Blattläuse zur Abgabe von Honigtau an – ein Vorgang, der dem Melken von Kühen ähnelt.
  • Ausnahmen bestätigen die Regel: Ameisen fressen Blattläuse tatsächlich, jedoch meist nur zur Regulierung der Population oder bei akutem Proteinmangel.
  • Wurzelläuse: Die Gelbe Wiesenameise (Lasius flavus) hält sich ganze Herden von Wurzelläusen unterirdisch und nutzt diese auch als Fleischquelle im Winter.
  • Schutz vor Fressfeinden: Ameisen verteidigen ihre "Nutztiere" aggressiv gegen Marienkäfer und Florfliegenlarven, was die natürliche Schädlingsbekämpfung im Garten behindert.
  • Maßnahmen: Um Blattläuse loszuwerden, muss oft zuerst der Zugang für die Ameisen (z.B. durch Leimringe) unterbunden werden.

Die Trophobiose: Eine Allianz zum gegenseitigen Vorteil

Um zu verstehen, warum Ameisen so versessen auf Blattläuse sind, muss man einen Blick auf die Ernährungsgewohnheiten beider Insekten werfen. Blattläuse und Schildläuse sind Pflanzensaftsauger. Sie stechen mit ihrem Rüssel in die Leitbündel der Pflanzen und saugen den sogenannten Phloemsaft. Dieser Saft ist extrem reich an Kohlenhydraten (Zucker), enthält aber vergleichsweise wenig Proteine, die die Läuse für ihr Wachstum benötigen. Um ihren Proteinbedarf zu decken, müssen sie riesige Mengen Pflanzensaft aufnehmen. Den überschüssigen Zucker und das viele Wasser scheiden sie als klebrige Flüssigkeit wieder aus: den Honigtau[1].

Für Ameisen ist dieser Honigtau eine wahre Goldgrube. Ameisenstaaten benötigen für ihre hocheffiziente Arbeit enorme Energiemengen. Kohlenhydrate sind der Treibstoff für die unzähligen Arbeiterinnen. Während die Brut für das Wachstum Proteine benötigt, sind die erwachsenen Tiere fast ausschließlich auf Zucker angewiesen. Studien haben gezeigt, dass Honigtau zweifellos die wichtigste Kohlenhydratquelle für viele Ameisenarten darstellt[2].

Wie das "Melken" funktioniert

Die Kommunikation zwischen Ameise und Blattlaus ist hoch entwickelt. Wenn eine Ameise eine Blattlauskolonie besucht, "betrillert" sie den Hinterleib der Laus mit ihren Fühlern. Dies löst bei der Laus einen Reflex aus: Anstatt den Honigtau wegzuschleudern (was sie normalerweise tun würde, um nicht selbst zu verkleben), gibt sie langsam einen Tropfen ab, den die Ameise direkt aufnehmen kann. Dieser Vorgang wird in der Biologie als Trophobiose bezeichnet – eine Ernährungspartnerschaft[3].

Die Ameise speichert diesen Saft in ihrem Kropf, dem sogenannten Sozialmagen. Zurück im Nest wird die Nahrung durch Trophallaxis (Mund-zu-Mund-Fütterung) an Nestgenossinnen, Larven und die Königin weitergegeben. Untersuchungen an der Roten Waldameise (Formica rufa) zeigten, dass Honigtau bis zu 62 Prozent der gesamten Nahrung eines Volkes ausmachen kann[4].

Wussten Sie schon?

Manche Ameisenarten beißen den Blattläusen sogar die Flügel ab, um sie an der Flucht zu hindern, oder transportieren sie aktiv zu neuen, frischen Pflanzen, wenn die alte Wirtspflanze austrocknet. Sie agieren wie echte Viehhirten, die ihre Herde auf die beste Weide treiben[5].

Fressen Ameisen Blattläuse? Die Antwort ist "Ja, aber..."

Trotz der engen Freundschaft kommt es vor, dass Ameisen ihre "Kühe" fressen. Dies geschieht jedoch nicht willkürlich, sondern folgt biologischen Notwendigkeiten. Ameisen sind opportunistische Fresser. Obwohl sie den Honigtau lieben, benötigen sie – insbesondere für die Aufzucht der Larven – Proteine. Normalerweise decken sie diesen Bedarf durch die Jagd auf andere Insekten oder das Sammeln von Aas. Wenn jedoch Proteinquellen knapp sind, greifen sie auf die Blattläuse zurück.

Es gibt spezifische Situationen, in denen die Symbiose kippt:

  • Überpopulation: Wenn die Blattlauskolonie zu groß wird und die Wirtspflanze schädigt (was langfristig die Honigtauquelle versiegen lassen würde), dezimieren die Ameisen den Bestand durch Fressen der Läuse.
  • Proteinmangel: Im Frühjahr, wenn die Larvenentwicklung im Ameisennest auf Hochtouren läuft, ist der Bedarf an Eiweiß enorm. Finden die Arbeiterinnen nicht genügend andere Beute, dienen Blattläuse als Nahrungsreserve.
  • Wintervorrat: Einige Ameisenarten, wie die Gelbe Wiesenameise (Lasius flavus), halten Wurzelläuse in ihren unterirdischen Nestern. Diese werden nicht nur gemolken, sondern im Winter, wenn keine andere Nahrung verfügbar ist, auch geschlachtet und verzehrt[2].

Man kann also sagen: Ameisen betrachten Blattläuse als Vieh. Sie nutzen primär deren Produkte (Milch/Honigtau), schlachten sie aber, wenn es notwendig ist (Fleisch/Protein). Ein radikales Ausrotten der Blattläuse durch Ameisen findet jedoch nicht statt, da sie sich damit ihrer eigenen Zuckerquelle berauben würden.

Unterschiedliche Ameisenarten und ihre Strategien

Nicht alle Ameisen verhalten sich gleich. In Mitteleuropa gibt es verschiedene Arten mit unterschiedlichen Strategien im Umgang mit Pflanzenläusen. Ein Blick auf die spezifischen Arten hilft, das Geschehen im eigenen Garten besser einzuordnen.

Die Schwarzgraue Wegameise (Lasius niger)

Dies ist die häufigste Ameise in deutschen Gärten und oft auch in Häusern zu finden. Sie ist ein klassischer "Viehzüchter". Sie legt ihre Straßen oft über Gehwege und Terrassen hin zu Rosen, Obstbäumen oder Gemüsepflanzen. Lasius niger ist bekannt dafür, Blattläuse extrem aggressiv gegen Fressfeinde wie Marienkäfer zu verteidigen. Sie schadet Kulturpflanzen indirekt massiv, indem sie die natürlichen Feinde der Läuse vertreibt[6]. Sie baut oft Erdhügel über dem Nest, nistet aber auch unter Steinen.

Die Gelbe Wiesenameise (Lasius flavus)

Diese Art lebt sehr versteckt und kommt fast nie an die Oberfläche. Sie legt ihre Nester oft unter Rasenflächen an und wirft dort kleine Erdhügel auf. Ihre Besonderheit ist die Zucht von Wurzelläusen. Sie betreut mindestens 22 verschiedene Arten von Wurzelläusen direkt an den Wurzeln von Gräsern und Kräutern. Da sie das Nest fast nie verlässt, ist sie vollständig auf den Honigtau und das Fleisch dieser Läuse angewiesen[7]. Für den Gärtner ist sie meist unproblematisch, es sei denn, die Rasenhügel stören optisch.

Die Rote Waldameise (Formica rufa)

Waldameisen sind die "Polizei" des Waldes. Ein großes Volk kann jährlich bis zu 6,1 Millionen Schadinsekten vertilgen und spielt eine entscheidende Rolle im Ökosystem[8]. Dennoch sind auch sie große Liebhaber von Honigtau. Etwa 62% ihrer Nahrung besteht aus Honigtau, während Insekten nur etwa 33% ausmachen[4]. Im Gegensatz zu den Wegameisen im Garten wird die Waldameise aufgrund ihres hohen Nutzens bei der Vertilgung anderer Forstschädlinge jedoch als absolut nützlich eingestuft und steht unter Naturschutz.

Auswirkungen auf den Garten und Pflanzen

Die Allianz zwischen Ameisen und Blattläusen ist für den Gärtner oft ein Ärgernis. Die Anwesenheit der Ameisen führt dazu, dass sich Blattlauskolonien viel schneller und stärker vermehren als ohne Ameisen. Studien zeigen, dass Ameisen die Vermehrungsrate von Blattläusen signifikant steigern, indem sie Fressfeinde fernhalten und die Hygiene in der Kolonie verbessern (Entfernung des klebrigen Honigtaus verhindert Pilzbefall)[9].

Die negativen Folgen für die Pflanzen sind vielfältig:

  • Saftentzug: Durch die massenhafte Vermehrung der Läuse wird der Pflanze viel Energie entzogen, was zu Kümmerwuchs und Ernteausfällen führt.
  • Rußtaupilze: Nicht von Ameisen abgeernteter Honigtau verbleibt auf den Blättern und bildet einen Nährboden für Schwärzepilze (Rußtau), die die Photosynthese behindern.
  • Krankheitsübertragung: Da Ameisen Blattläuse von Pflanze zu Pflanze tragen, können sie indirekt zur Verbreitung von Pflanzenviren beitragen.

Praxis-Tipp: Ameisenstraßen unterbrechen

Wenn Sie Blattläuse bekämpfen wollen, müssen Sie oft zuerst die Ameisen fernhalten. Solange die Ameisen die Läuse verteidigen, haben Nützlinge wie Marienkäferlarven kaum eine Chance. Ein bewährtes Mittel bei Bäumen sind Leimringe. Diese verhindern, dass die Ameisen in die Krone gelangen. Ohne den Schutz der Ameisen werden die Blattläuse schnell zur Beute von Nützlingen[10].

Natürliche Feinde und das Eingreifen der Ameisen

In einem naturnahen Garten regelt sich der Befall von Schädlingen oft von selbst – wäre da nicht die Ameise. Zu den wichtigsten natürlichen Feinden der Blattläuse gehören:

  • Marienkäfer und ihre Larven
  • Florfliegenlarven (auch "Blattlauslöwen" genannt)
  • Schwebfliegenlarven
  • Schlupfwespen

Ameisen erkennen diese Nützlinge als Bedrohung für ihre Nahrungsquelle. Sie greifen Marienkäfer aggressiv an, beißen sie oder verspritzen Ameisensäure (bei Arten der Unterfamilie Formicinae)[11]. Besonders effektiv ist die Verteidigung gegen die langsamen Larven der Marienkäfer und Schwebfliegen. Manche Nützlinge haben jedoch Gegenstrategien entwickelt. Die Larven bestimmter Bläulingsarten (Schmetterlinge) tarnen sich chemisch und geben selbst zuckerhaltige Sekrete ab, um von Ameisen nicht als Feind erkannt, sondern sogar gepflegt zu werden – ein Phänomen, das bis zum Sozialparasitismus reichen kann[12].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Helfen Ameisen dabei, Blattläuse loszuwerden?

Nein, im Gegenteil. In der Regel fördern Ameisen den Befall, da sie die Läuse vor Fressfeinden schützen und sie sogar aktiv verbreiten. Nur in Ausnahmefällen (Überpopulation, Nahrungsmangel) fressen sie einen Teil der Läuse.

Warum tragen Ameisen Blattläuse herum?

Ameisen transportieren Blattläuse zu neuen, saftigen Pflanzenteilen, wenn die alte Nahrungsquelle versiegt. Sie bringen sie auch in Sicherheit, wenn Gefahr droht, oder tragen Wurzelläuse in ihre unterirdischen Nester.

Was kann ich tun, wenn Ameisen meine Pflanzen "belagern"?

Unterbrechen Sie die Ameisenstraßen. Bei Bäumen helfen Leimringe. Bei Kübelpflanzen kann man den Topf isolieren (z.B. auf Füßchen in eine Wasserschale stellen). Sind die Ameisen weg, können Nützlinge die Blattläuse dezimieren. Bei starkem Befall im Rasen oder Beet können Nematoden (Fadenwürmer) gegen die Ameisenbrut eingesetzt werden[13].

Sind alle Ameisen im Garten schädlich?

Nein. Ameisen sind auch Nützlinge. Sie lockern den Boden auf, verbreiten Pflanzensamen (Myrmekochorie) und fressen viele andere Schädlinge und Aas. Ein Eingreifen ist nur ratsam, wenn sie durch die Zucht von Blattläusen an Kulturpflanzen massiven Schaden anrichten oder ins Haus eindringen.

Fressen Ameisen auch Schneckeneier?

Ja, Ameisen sind Allesfresser und Räuber. Sie vertilgen auch Eier von Schnecken und anderen Insekten, was sie wiederum zu nützlichen Helfern im Garten macht.

Fazit

Die Frage "Fressen Ameisen Blattläuse?" lässt sich mit einem klaren "Jein" beantworten. Primär nutzen sie sie als lebende Zuckerlieferanten und beschützen sie wie Viehherden. Doch wie jeder Bauer nutzen auch Ameisen ihren Viehbestand bei Bedarf als Fleischquelle. Für den Gärtner bedeutet diese Symbiose meist nichts Gutes, da die natürliche Regulation der Schädlinge durch Nützlinge gestört wird.

Wer Blattläuse effektiv bekämpfen will, darf die Ameisen nicht ignorieren. Eine sanfte Vergrämung oder die Unterbrechung der Laufwege ist oft der erste und wichtigste Schritt zum Pflanzenschutz. Gleichzeitig sollte man nicht vergessen, dass Ameisen faszinierende Architekten und wichtige Gesundheitspolizisten im Ökosystem sind. Ein toleranter Umgang an Stellen, wo sie keinen direkten Schaden anrichten, ist daher der beste Weg zu einem naturnahen Garten.

Quellen und Referenzen

  1. Wikipedia, "Ameisen", Abschnitt Honigtau und Pflanzensäfte, Trophobiose.
  2. Dietrich & Steiner, "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", Biologiezentrum Linz, 2009, S. 17.
  3. Grokipedia, "Ameise", Abschnitt Relationships with Other Organisms / Mutualisms.
  4. Dietrich & Steiner, "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", Biologiezentrum Linz, 2009, S. 20 (Nahrungsspektrum Formica rufa).
  5. Bayerisches Landesamt für Umwelt, "UmweltWissen – Praxis: Ameisen", 2013, S. 2.
  6. Heeschen, W., "Monitoring bei Ameisen", Behr's Verlag, Abschnitt 3.4.
  7. Felke/Karg, "Ameisen", Behr's Verlag, Abschnitt 1.6.1 (Gelbe Wegameise).
  8. Felke/Karg, "Ameisen", Behr's Verlag, Abschnitt Ökologische Bedeutung (Horstmann 1974).
  9. SWR2 Wissen, "Ameisen – Welteroberer und Wunderwesen", Manuskript, 2021, S. 3.
  10. Produktübersicht Ameisenmittel, "Raupen- & Ameisen-Leimring".
  11. Dietrich & Steiner, "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", Biologiezentrum Linz, 2009, S. 34 (Chemiewaffen).
  12. Dietrich & Steiner, "Das Leben unserer Ameisen – ein Überblick", Biologiezentrum Linz, 2009, S. 27 (Ameisenbläulinge).
  13. Produktübersicht Ameisenmittel, "Nematoden: natürliche Mittel gegen Ameisen".

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