Fakten (kompakt)
- Die Gattung *Crataegus* gilt als taxonomisch komplex und umfasst je nach Klassifikation 150 bis 1.200 Arten, die stark zu Hybridisierung und Polyploidie neigen. - Phytochemisch ist *Crataegus monogyna* reich an bioaktiven Verbindungen, darunter Flavonoide wie Hyperosid und Vitexin sowie Triterpenoide wie Ursolsäure. - Die Scheinfrüchte bestehen zu etwa 75 % aus Wasser; die verbleibende Trockenmasse setzt sich zu rund 9 % aus Kohlenhydraten und zu 1 % aus Lipiden zusammen. - Historisch wurde das harte Holz der Art spezifisch für die Herstellung von Werkzeugstielen und als Brennholz geschätzt. - In der traditionellen Kräutermedizin findet die Pflanze Anwendung zur Unterstützung der kardiovaskulären Gesundheit, wenngleich moderne klinische Validierungen teils noch ausstehen. - Kulinarisch werden junge Blätter und Blüten gelegentlich in Salaten verwendet, während die Früchte zu Gelees und Weinen verarbeitet werden. - Die Blüten stehen in 30 bis 50 mm breiten Schirmrispen zusammen, die jeweils aus 5 bis 20 Einzelblüten bestehen. - Jede Einzelblüte besitzt fünf Kronblätter und erreicht einen Durchmesser von 10 bis 15 mm. - Vor dem Laubabwurf im Herbst verfärben sich die Blätter gelb.[9]
Der heute akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet *Crataegus monogyna*, wobei die Erstveröffentlichung durch Nikolaus Joseph von Jacquin im Jahr 1775 erfolgte.[1][2] Taxonomisch wird die Pflanze innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) in die Gattung *Crataegus* und dort in die Sektion *Crataegus* eingeordnet.[1][4] Der Gattungsname leitet sich vom altgriechischen *krataigos* ab, was auf die Stärke und Härte des Holzes sowie die dornige Natur der Pflanze verweist. Das Art-Epitheton *monogyna* entstammt den griechischen Worten *mono* (eins) und *gynē* (weiblich), was den charakteristischen einzelnen Griffel der Blüte beschreibt und die Art von mehrgriffeligen Verwandten unterscheidet.[3] Historisch wurde die Art oft unter dem Namen *Crataegus oxyacantha* geführt, der jedoch von Linné mehrdeutig verwendet wurde und heute in der modernen Nomenklatur vermieden wird, da er mehrere Arten umfasste. Ein weiteres valides Synonym ist *Mespilus monogyna* (Jacq.) Crantz.[1] Im Deutschen ist die Bezeichnung Eingriffeliger Weißdorn gebräuchlich, um die Art klar vom Zweigriffeligen Weißdorn (*Crataegus laevigata*) abzugrenzen, mit dem sie häufig verwechselt wird.[3] Der Trivialname Hagedorn (verwandt mit dem altenglischen *hagaþorn*) deutet etymologisch auf die historische Nutzung als lebender Zaun oder Hecke hin.[3][2] Internationale Bezeichnungen wie das englische 'May' oder 'Maybush' beziehen sich auf die Hauptblütezeit im Mai, während 'Whitethorn' auf die helle Rinde und die weißen Blüten anspielt.[3] Neuere DNA-Analysen und Plastom-Sequenzierungen bestätigen die Platzierung von *Crataegus monogyna* innerhalb einer eigenen Klade im Untergenus *Crataegus*.[4]
Crataegus monogyna wächst als sommergrüner Strauch oder kleiner Baum, der typischerweise Wuchshöhen von 5 bis 15 Metern erreicht und eine dichte, rundliche Krone ausbildet. Die Rinde ist grau-braun gefärbt, wobei sie an jungen Zweigen glatt bleibt und im Alter Risse sowie Schuppen entwickelt. Charakteristisch sind die Zweige, die mit scharfen, geraden Dornen von 10 bis 25 mm Länge bewehrt sind. Die wechselständigen Blätter sind eiförmig bis elliptisch geformt und messen 20 bis 40 mm in der Länge sowie 15 bis 30 mm in der Breite. Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal sind die drei bis sieben tiefen Lappen der Blätter, deren Ränder gesägt sind. Die Blattoberseite ist glänzend dunkelgrün gefärbt, während die Unterseite blasser erscheint, bis im Herbst eine Gelbfärbung eintritt. Die zwittrigen Blüten erscheinen von Mai bis Juni in flachen Doldentrauben, die aus 5 bis 20 Einzelblüten bestehen und einen starken Duft verströmen. Diese Blüten sind überwiegend weiß, messen 10 bis 15 mm im Durchmesser und besitzen fünf Kronblätter sowie einen charakteristischen einzelnen Griffel. Aus den Blüten entwickeln sich im Herbst dunkelrote, ovale Scheinbeeren mit einem Durchmesser von 6 bis 10 mm. Im Gegensatz zu verwandten Arten enthalten diese Früchte stets nur einen einzigen harten Samen, was als morphologisches Hauptmerkmal gilt.[6] Verwechslungsgefahr besteht primär mit dem Zweigriffeligen Weißdorn (*Crataegus laevigata*), der jedoch flacher gelappte Blätter und eine eher waagerechte Verzweigungsstruktur aufweist.[3] Während *C. monogyna* einen Griffel und einen Samen besitzt, weist *C. laevigata* meist zwei bis drei Griffel und entsprechend viele Samen auf.[3] Hybriden wie *C. × media* zeigen intermediäre Merkmale, was die Bestimmung durch variable Blattlappungen erschwert. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zum nordamerikanischen *Crataegus crus-galli* sind dessen deutlich längere Dornen von 3 bis 8 cm.[3] Zudem sind die Blätter von *C. crus-galli* verkehrt-eiförmig und scharf gesägt, statt tief gelappt wie bei *C. monogyna*.[3]
In seinem nativen Verbreitungsgebiet gilt *Crataegus monogyna* als ökologisch wertvoller Nützling, der essentielle Nahrung und Habitat für Bestäuber und Vögel bietet. Hingegen wird die Art in Regionen wie dem pazifischen Nordwesten der USA, Australien und Neuseeland als invasiv eingestuft, da sie dichte Dickichte bildet und heimische Ökosysteme wie Eichenwälder verdrängt. Rechtlich ist der Weissdorn im US-Bundesstaat Washington als 'Class C noxious weed' gelistet, was Bekämpfungsmaßnahmen empfiehlt, aber aufgrund der weiten Verbreitung nicht zwingend vorschreibt.[2] Das Schadpotenzial für die Pflanze selbst umfasst eine hohe Anfälligkeit für den Feuerbrand (*Erwinia amylovora*), der zu Triebnekrosen führt und bei Epidemien massive Schäden an Hecken verursachen kann.[7] Zu den tierischen Schädlingen zählen Blattläuse wie *Dysaphis crataegi*, Gallmilben sowie Raupen von Motten wie *Yponomeuta padella*, die Blattverluste und Miniergänge herbeiführen. Wildverbiss durch Rehe und Kaninchen an jungen Trieben kann die Etablierung in offenen Landschaften behindern, obwohl die Dornen einen gewissen Schutz gegen größere Herbivoren bieten.[2] Medizinisch ist die Art hochrelevant, da Extrakte zur Behandlung von Herzinsuffizienz und Bluthochdruck eingesetzt werden und patentierte Verfahren existieren, die Wirkstoffe mittels subkritischem Wasser isolieren.[4][6] Ein gesundheitliches Risiko besteht beim Verzehr der Samen, da diese cyanogene Glykoside wie Amygdalin enthalten, die im Verdauungstrakt Blausäure freisetzen können.[4] Kosmetische Patente beschreiben zudem die Nutzung von Extrakten aus *Crataegus monogyna* für hautentgiftende und beruhigende Anwendungen.[6] Zur Prävention von Krankheitsausbrüchen wie dem Feuerbrand ist ein striktes Monitoring erforderlich, wobei infizierte Pflanzenteile während der Ruhephase 8 bis 30 cm tief ins gesunde Holz zurückgeschnitten werden müssen.[7] In Gebieten mit Invasionsrisiko besteht die primäre Präventionsmaßnahme im Verzicht auf Anpflanzungen, um die Verdrängung indigener Flora zu vermeiden. Physikalische Pflegemaßnahmen umfassen den regelmäßigen Rückschnitt im Spätwinter zur Entfernung von Totholz, wobei aufgrund der Verletzungsgefahr durch Dornen Vorsicht geboten ist.[2]