Fakten (kompakt)
- *Acanthoscelides obtectus*, auch bekannt als Speisebohnenkäfer, ist ein kleiner [Käfer](/pages/lexikon/kafer) aus der Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae). - Er ist ein bedeutender Schädling von gelagerten Hülsenfrüchten, insbesondere von Bohnen (*Phaseolus vulgaris*).[1] - Ursprünglich stammt *A. obtectus* aus den Neotropen Mittel- und Südamerikas. - Durch den Handel mit Bohnen hat sich die Art weltweit verbreitet und ist heute in tropischen, subtropischen und gemäßigten Regionen zu finden. - Adulte Käfer sind kugelförmig und 3–4 mm lang. - Die Larven sind beinlose, weiße [Maden](/pages/lexikon/maden), die sich in den Samen entwickeln. - Weibchen legen ihre Eier auf oder in Bohnenhülsen und -samen. - Die Larven bohren sich in die Samenschale und fressen an den Keimblättern. - Die Verpuppung findet im Inneren des Samens statt. - Adulte Käfer schlüpfen, indem sie Ausfluglöcher nagen. - In warmen Umgebungen können mehrere Generationen pro Jahr entstehen. - Larvenfraß verursacht kleine Einbohrlöcher und größere Ausfluglöcher, wodurch die Samen zu mit Kot gefüllten Hülsen reduziert werden.[1] - *A. obtectus* stellt eine große Bedrohung für die weltweite Lagerung von Hülsenfrüchten dar und führt zu erheblichen Verlusten in der Lebensmittelproduktion. - Betroffen sind nicht nur Bohnen, sondern auch andere Hülsenfrüchte wie [Linsen](/pages/lexikon/linsen), [Erbsen](/pages/lexikon/erbsen) und [Sojabohnen](/pages/lexikon/sojabohne). - Die Bekämpfung erfolgt durch Insektizide, hermetische Lagerung und biologische Methoden.[1]
Der Speisebohnenkäfer (*Acanthoscelides obtectus*) wurde 1831 von Thomas Say ursprünglich unter dem Basionym *Bruchus obtectus* erstbeschrieben. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich diverse Synonyme wie *Bruchus irresectus* oder die auf historischen Fehlidentifikationen basierende Bezeichnung *Bruchus obsoletus*.[1] Während die Art früher der eigenständigen Familie Bruchidae angehörte, wird sie nach aktueller taxonomischer Auffassung der Unterfamilie Bruchinae (Samenkäfer) innerhalb der Blattkäfer (Chrysomelidae) zugeordnet.[1][2]
Die adulten [Käfer](/pages/lexikon/kafer) von *Acanthoscelides obtectus* sind klein, messen 3–4 mm in der Länge und weisen eine charakteristische birnenförmige bis kugelige Körperform auf.[1][3] Die Grundfärbung variiert von hell- bis dunkelbraun, wobei der gesamte Körper von einer feinen goldenen Behaarung bedeckt ist.[1] Ein markantes Merkmal sind die verkürzten Flügeldecken (Elytren), die das Abdomen nicht vollständig bedecken und das Pygidium freilassen.[1][3] Auf den Elytren befinden sich oft vier helle Längsflecken sowie ein rötlicher hinterer Rand. Die Beine sind gelblich-rot gefärbt und lang, während die Antennen eine rotbraune Färbung aufweisen. Ein zentrales Bestimmungsmerkmal sind die hinteren Schenkel (Femora), die an der Innenkante mit drei bis vier Zähnen besetzt sind.[1] Der Kopf ist nach vorne geneigt und besitzt keinen langen Rüssel, wie er für [Rüsselkäfer](/pages/lexikon/russelkafer) typisch wäre.[3] Ein Sexualdimorphismus ist nur schwach ausgeprägt, wobei Weibchen tendenziell etwas größer als Männchen sind. Die milchig-weißen, ovalen Eier sind etwa 0,6 mm lang und werden lose abgelegt. Die Larven sind weiß und typischerweise C-förmig gekrümmt (engerlingsartig), wobei sie im letzten Stadium eine Länge von bis zu 5 mm erreichen. Während das erste Larvenstadium noch drei Beinpaare zur Mobilität aufweist, sind die folgenden Stadien beinlos. Die Verpuppung findet im Samen statt, wobei die 3–4 mm großen Puppen zunächst blassweiß sind und vor dem Schlupf bräunlich nachdunkeln.[1]
Der Speisebohnenkäfer (*Acanthoscelides obtectus*) gilt als einer der bedeutendsten Vorratsschädlinge für Hülsenfrüchte, wobei er insbesondere die Gartenbohne (*Phaseolus vulgaris*) befällt.[1] Weltweit verursacht die Art jährliche Nachernteverluste zwischen 1,59 und 9,12 Millionen Tonnen, was in stark betroffenen Chargen zu Gewichtsverlusten von bis zu 50 % führen kann.[3] Das Schadbild wird primär durch die Larven verursacht, die sich in das Sameninnere bohren und das Endosperm verzehren, bis oft nur noch mit Kot gefüllte Hüllen verbleiben.[1][3] Äußerlich ist der Befall an winzigen Einbohrlöchern sowie den größeren, kreisrunden Ausbohrlöchern der schlüpfenden Adulten erkennbar.[3] Befallene Bohnen sind aufgrund der Qualitätsminderung und erhöhten Anfälligkeit für Pilzinfektionen weder für den Handel noch als Saatgut geeignet. Zur Prävention werden ackerbauliche Maßnahmen wie Fruchtfolgen mit Nicht-Wirtspflanzen und eine zeitgerechte Ernte empfohlen, um den Eintrag vom Feld in das Lager zu minimieren. Eine effektive physikalische Bekämpfungsmethode ist die Wärmebehandlung bei 50 °C über 30 Minuten, welche alle Entwicklungsstadien abtötet. Alternativ eliminiert eine Kaltlagerung bei -18 °C über einen Zeitraum von drei bis vier Tagen die Populationen zuverlässig. Auch die hermetische Lagerung in luftdichten Behältern hat sich bewährt, da der entstehende Sauerstoffmangel in Kombination mit erhöhtem Kohlendioxid letal auf die [Käfer](/pages/lexikon/kafer) wirkt. Im integrierten Pflanzenschutz kommen zudem biologische Gegenspieler wie die Erzwespe *Anisopteromalus calandrae* zum Einsatz, um den Gebrauch chemischer Insektizide zu reduzieren.[1]