Fakten (kompakt)
- *Myrmica rubra*, auch bekannt als Rote Gartenameise oder Rote Rasenameise, ist eine Art der Hautflügler innerhalb der Familie der [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) ([Formicidae](/pages/lexikon/ameisen)) und der Unterfamilie Myrmicinae. - Die Arbeiterinnen von *Myrmica rubra* sind rötlich-braun gefärbt und messen 4–5 mm in der Länge. - Die Art ist heimisch in der Paläarktis, die große Teile Europas und Asiens umfasst. - *Myrmica rubra* bevorzugt feuchte Umgebungen wie Wiesen, offene Wälder und Gärten. - Die [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) bauen ihre Nester im Boden entlang von Wurzeln oder unter [Steinen](/pages/lexikon/lebende-steine) und Baumstämmen. - *Myrmica rubra* wurde nach Nordamerika eingeschleppt, wo sie dichte Populationen bildet. - Die Art ist bekannt für ihr aggressives Verhalten bei der Nahrungssuche und ihren schmerzhaften Stich. - *Myrmica rubra* bildet polygynen (mehrere Königinnen pro Kolonie) und polydomen (mehrere Nester pro Kolonie) soziale Strukturen. - Die Kolonien können sich durch Knospenbildung oder durch menschliche Hilfe ausbreiten. - In ihrer ursprünglichen Heimat unterstützt *Myrmica rubra* die Artenvielfalt, indem sie seltenen Bläulingsarten als Wirt dient. - Als invasive Art verdrängt sie jedoch einheimische Ameisen und reduziert die Vielfalt und Häufigkeit von Arthropoden. - Die Art fördert auch Hemiptera-Schädlinge wie [Blattläuse](/pages/lexikon/blattlause) durch mutualistische Pflege.[4] - Die taxonomische Hierarchie von *M. rubra* ist wie folgt: Königreich: Animalia; Stamm: Arthropoda; Klasse: [Insecta](/pages/lexikon/insekten); Ordnung: Hymenoptera; Familie: [Formicidae](/pages/lexikon/ameisen); Unterfamilie: Myrmicinae; Gattung: *Myrmica*; Art: *M. rubra*. - Der Gattungsname *Myrmica* stammt von dem griechischen Wort μύρμηξ (*myrmēx*, was „[Ameise](/pages/lexikon/argentinische-ameise)“ bedeutet) in Kombination mit dem Suffix *-ica*, was Ähnlichkeit mit Ameisen bedeutet. - Das Artepitheton *rubra* leitet sich vom lateinischen Wort für „rot“ ab und bezieht sich auf die rötliche Körperfärbung der Art.[4]
Die Rote Rasenameise (*Myrmica rubra*) wurde 1758 von Carl von Linné ursprünglich unter dem Basionym *Formica rubra* erstbeschrieben. Sie wird taxonomisch der Unterfamilie der Myrmicinae zugeordnet, die im Deutschen als Knotenameisen bezeichnet werden.[1][2] Ein historisch relevantes Synonym ist *Myrmica laevinodis* (Nylander, 1846), das heute als jüngeres Synonym der Art gilt.[2] Aufgrund ihres schmerzhaften Stiches wird die Spezies im amerikanischen Sprachraum auch als „European fire ant“ geführt.[2][1]
Die Arbeiterinnen von *Myrmica rubra* sind monomorphe Knotenameisen mit einer Körperlänge von 4 bis 6 Millimetern. Ihre Färbung ist überwiegend rotbraun, wobei der Kopf und der Hinterleib (Gaster) oft dunkler erscheinen. Kopf und Brustabschnitt (Mesosoma) sind in Längsrichtung stark gefurcht beziehungsweise skulpturiert, während der Hinterleib glatt und glänzend ist. Die geknieten Antennen bestehen aus 12 Gliedern und weisen eine drei- bis viergliedrige Endkeule auf.[2][1] Ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist der Antennenschaft, der an der Basis sanft gebogen ist und keine aufrechten Haare oder scharfen Kanten besitzt, was die Art von ähnlichen Spezies wie *Myrmica scabrinodis* unterscheidet.[2] Am hinteren Brustabschnitt befinden sich dorsal zwei nach hinten gerichtete, spitze Dornen.[2][1] Das Stielchen zwischen Brust und Hinterleib ist zweigliedrig und glatt. Die Königinnen sind mit bis zu 7,5 Millimetern deutlich größer, dunkelbraun gefärbt und besitzen eine Stirn mit ungefurchtem Dreieck.[1] Die geflügelten Männchen sind hingegen fast schwarz mit braunen Tarsen, etwa 4 bis 5 Millimeter lang und verfügen über lange, schlanke Antennenschäfte.[2][1] Alle weiblichen Kasten verfügen über einen funktionsfähigen Stachel sowie Giftdrüsen. Die weißlichen bis durchsichtigen Larven sind zylindrisch geformt, leicht gebogen und lassen den Darm durchscheinen. Die Puppen entwickeln sich frei (ohne Kokon) und sind von weißlicher Farbe.[1]
Die Rote Rasenameise (*Myrmica rubra*) gilt primär als Lästling und aggressive Art, die häufig in Siedlungsgebieten, Gärten und Parkanlagen auftritt. Für den Menschen ist die Art aufgrund ihrer Stechfreudigkeit relevant; das Gift verursacht brennende Schmerzen, Schwellungen und in seltenen Fällen allergische Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie.[1][3] In Gebäude eingedrungene Tiere werden meist als lästig empfunden, verursachen jedoch keine direkten Materialschäden an der Bausubstanz.[1] Ökologische Schäden entstehen in Invasionsgebieten durch die Verdrängung einheimischer Ameisenarten und die Reduktion der allgemeinen Arthropodenvielfalt.[3] Zudem fördert *Myrmica rubra* durch das Pflegen von Blatt- und Schildläusen zur Gewinnung von Honigtau den Befall von [Pflanzen](/pages/lexikon/verpiss-dich-pflanze) mit diesen Schädlingen.[1][3] Eine Übertragung von Krankheiten durch die [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) findet nicht statt.[1] Präventive Maßnahmen konzentrieren sich auf die strikte Kontrolle von Erdmaterial, Pflanzenballen und Mulch, um eine Verschleppung in neue Areale zu verhindern. Eine Reduktion von Feuchtigkeit und Schatten im Außenbereich, etwa durch Mähen oder Rückschnitt der Vegetation, kann die Ansiedlung erschweren.[3] Physikalische Bekämpfungsmethoden wie die Behandlung der Nester mit Heißwasser oder Dampf (ca. 82–93 °C) sind möglich, aber oft nur bei direkter Zugänglichkeit der Nester wirksam. Die chemische Bekämpfung erfolgt vorzugsweise mit langsam wirkenden Fraßködern, die Wirkstoffe wie Hydramethylnon oder Indoxacarb enthalten, damit diese von den Arbeitern im Nest verteilt werden. Kontaktinsektizide oder Borsäure-Köder bieten hingegen oft nur eine temporäre Unterdrückung der Populationen.[3]