Fakten (kompakt)
- Der Gattungsname *Paulownia* ehrt Anna Pawlowna (1795–1865), die Tochter des russischen Zaren Paul I. und spätere Königin der Niederlande. - Ursprünglich wurde die wissenschaftliche Bezeichnung als *Pavlovnia* buchstabiert, bevor sie an die heutige Schreibweise angepasst wurde. - In der traditionellen chinesischen Medizin werden verschiedene Pflanzenteile zur Behandlung von Entzündungen und Bronchitis verwendet. - Der englische Trivialname „foxglove tree“ verweist auf die Ähnlichkeit der Blüten mit denen der nicht verwandten Gattung *Digitalis* (Fingerhut). - Das invasive Verbreitungsgebiet in den USA erstreckt sich mittlerweile von New York bis Florida und westlich bis nach Texas. - Die Art besitzt eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Feuer und Herbiziden, was ihre Bekämpfung in freier Natur erschwert. - Aktuelle Forschungen untersuchen das Potenzial von *Paulownia tomentosa* für die Phytoremediation (Bodenreinigung) und nachhaltige Holzproduktion. - Unter optimalen Bedingungen erreicht der Baum Wachstumsraten von bis zu 4,5 Metern (15 Fuß) pro Jahr.[9]
Der heute akzeptierte wissenschaftliche Name lautet *Paulownia tomentosa* (Thunb.) Siebold & Zucc. ex Steud., wobei diese Kombination im Jahr 1840 veröffentlicht wurde. Das Basionym der Art ist *Bignonia tomentosa*, welches bereits 1780 von Carl Peter Thunberg beschrieben wurde. Zu den relevanten Synonymen zählen *Paulownia imperialis* Siebold & Zucc., *Incarvillea tomentosa* (Thunb.) Spreng. sowie *Paulownia grandifolia* hort. ex Wettst.[2][3] Taxonomisch wird die Art heute in die eigenständige Familie der Paulowniaceae (Blauglockenbaumgewächse) innerhalb der Ordnung Lamiales gestellt.[1] Früher erfolgte die Zuordnung häufig zur Familie der Braunwurzgewächse (Scrophulariaceae), was jedoch durch molekularphylogenetische Untersuchungen widerlegt wurde, die eine eigenständige Linie nahe den Orobanchaceae belegen.[2] Der Gattungsname *Paulownia* ehrt Anna Paulowna (1795–1865), die Tochter des russischen Zaren Paul I. und spätere Königin der Niederlande. Ursprünglich wurde der Name als *Pavlovnia* geschrieben, bevor er seine heutige Form erhielt. Das Art-Epitheton *tomentosa* leitet sich vom lateinischen Begriff *tomentosus* ab und bedeutet „filzig behaart“, was auf die charakteristische Behaarung der Blätter und jungen Triebe verweist. Im deutschsprachigen Raum ist die Art als Blauglockenbaum bekannt. Internationale Trivialnamen wie „Empress tree“ oder „Princess tree“ greifen die royale Widmung auf, während die englische Bezeichnung „Foxglove tree“ auf die Ähnlichkeit der Blüten mit dem Fingerhut (*Digitalis*) anspielt. Die Einführung nach Europa erfolgte in den 1830er Jahren über die Niederländische Ostindien-Kompanie.[1]
Paulownia tomentosa ist ein sommergrüner Laubbaum, der typischerweise Wuchshöhen von 10 bis 25 Metern und Stammdurchmesser von bis zu 1,5 Metern erreicht.[1] Die Krone entwickelt sich breit und rundlich bis schirmförmig, getragen von kräftigen Ästen, die aufgrund ihres hohlen Marks oft brüchig sind.[1][4] Bei jungen Bäumen erscheint die Rinde glatt und graubraun, während sie im Alter rissig, rauer und hell- bis dunkelgrau wird.[1] Die gegenständigen, einfachen Laubblätter sind markant herzförmig (cordate) und erreichen bei adulten Bäumen Längen sowie Breiten von bis zu 30 cm.[1][6] Die Blattspreite ist oberseits dunkelgrün und leicht behaart, unterseits jedoch dicht wollig-filzig (tomentos) behaart, worauf das Art-Epitheton verweist.[4][1] Ein deutlicher Dimorphismus zeigt sich bei Jugendformen: Blätter an Stockausschlägen oder jungen Pflanzen sind oft tiefer gelappt, stärker behaart und können über 60 cm groß werden, um die Lichtaufnahme zu maximieren.[1][6] Die Blütenstände bilden 20 bis 30 cm lange, endständige Rispen, die aus 20 bis 50 hängenden Einzelblüten bestehen.[1] Die 5 bis 6 cm langen, röhrenförmigen Blüten sind fliederfarben bis blassviolett mit gelben Streifen im Inneren und erinnern stark an die Blüten des Fingerhuts (*Digitalis*).[1][7] Sie verströmen einen vanilleartigen Duft und erscheinen im April bis Mai noch vor dem Blattaustrieb. Die Früchte sind eiförmige, zugespitzte, verholzte Kapseln von 3 bis 4 cm Länge, die sich in zwei Klappen öffnen. Jede Kapsel enthält bis zu 2000 winzige, geflügelte Samen mit einer Länge von 1,5 bis 3 mm, die primär durch den Wind verbreitet werden.[1]
Paulownia tomentosa wird in vielen eingeführten Regionen, insbesondere im Südosten der USA, als invasiver Schädling klassifiziert, da die Art heimische Ökosysteme durch dichte Monokulturen verdrängt. In Bundesstaaten wie North Carolina und Alabama wird der Baum aufgrund seiner Aggressivität offiziell als "noxious weed" (schädliches Unkraut) geführt.[1] Das hohe Schadpotenzial resultiert aus dem extrem schnellen Wachstum, das zu einer Kronendeckung von 50–80 % führt und den Unterwuchs durch Beschattung sowie Nährstoffkonkurrenz unterdrückt.[8] Zudem reichert das stickstoffreiche Laub den Boden an, was die Nährstoffdynamik verändert und spezialisierte heimische Pflanzen benachteiligt.[1] Strukturelle Schwächen des spröden Holzes führen häufig zu Sturmschäden, während die massenhafte Produktion von Samenkapeln eine erhebliche Verschmutzung durch Streu verursacht.[4][1] Medizinisch ist die Pflanze relevant, da Extrakte mit Flavonoiden und Verbascosid entzündungshemmende Eigenschaften besitzen, jedoch besteht bei Verschlucken der Samen eine Erstickungsgefahr.[8][1] Befallsanzeichen sind oft Sämlinge auf gestörten Böden, da die Samenbank im Boden mindestens zwei bis drei Jahre lebensfähig bleibt. Präventive Maßnahmen konzentrieren sich auf das Verbot von Anpflanzungen in gefährdeten Gebieten, da die Art widerstandsfähig gegen Feuer ist und nach Störungen vital regeneriert. Für das Monitoring sollten gestörte Flächen wie Straßenränder und Waldränder auf die charakteristischen großen Blätter der Jungpflanzen kontrolliert werden.[1] Die Bekämpfung erfordert integrierte Ansätze, da einfaches Schneiden zu starkem Stockausschlag führt; daher ist die Applikation von Herbiziden auf die Schnittflächen meist unumgänglich.[1][8] Biologische oder chemische Innovationen zeigen, dass Rindenkrankheiten der *Paulownia* mit speziellen Pasten behandelt werden können, während Rückstände der Pflanze selbst zur Herstellung von Insektiziden dienen.[6] Rechtlich unterliegt der Anbau in vielen Regionen Beschränkungen oder Meldepflichten, um eine weitere Ausbreitung in natürliche Habitate zu verhindern.[1]