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Meerrettich Armoracia rusticana

Meerrettich

Taxonomische Klassifikation

Reich Pflanzen (Plantae)
Stamm Tracheophyta (Tracheophyta)
Klasse Magnoliopsida (Magnoliopsida)
Ordnung Brassicales (Brassicales)
Familie Brassicaceae
Gattung Armoracia
Art Armoracia rusticana
Wissenschaftlicher Name: Armoracia rusticana P.Gaertn., B.Mey. & Scherb.
Akzeptierter Name
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Einleitung

Der Meerrettich (*Armoracia rusticana*) ist eine ausdauernde krautige Pflanze aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), die ursprünglich in Südosteuropa und Westasien beheimatet ist.[1][2] Charakteristisch ist die verdickte, fleischige Pfahlwurzel, die aufgrund ihres scharfen Geschmacks als Würzmittel und Gemüse Verwendung findet.[1][3] Ein historisches Synonym ist *Cochlearia armoracia*, während die Art im süddeutschen und österreichischen Sprachraum auch als Kren bekannt ist.[2] Trotz der Namensgebung zählt der Meerrettich nicht zur Gattung der Rettiche (*Raphanus*).[1]

Fakten (kompakt)

- Die charakteristische Schärfe der Wurzel basiert auf dem Glucosinolat Sinigrin, das beim Reiben oder Zerkleinern chemisch zu Allyl-Isothiocyanat hydrolysiert. - Genetisch wird *Armoracia rusticana* als interspezifischer Hybrid angesehen, was zu einer hohen Sterilität und der Produktion von meist nicht lebensfähigem Pollen führt. - In den Vereinigten Staaten werden jährlich etwa 24 Millionen Pfund Wurzeln geerntet, die zu sechs Millionen Gallonen Sauce verarbeitet werden. - Der kommerzielle Anbau in den USA erstreckt sich über rund 3.000 Acres, wobei die Produktion schwerpunktmäßig in Illinois, Wisconsin, Kalifornien, New Jersey und Virginia stattfindet. - Neben der Wurzel sind auch die Blätter der Pflanze essbar und können als Salatbeigabe oder Küchenkraut genutzt werden. - Historische medizinische Anwendungen in der Antike umfassten die Behandlung von Rückenschmerzen und Menstruationsbeschwerden, während die Pflanze im Mittelalter gegen Skorbut und Rheumatismus eingesetzt wurde. - Für ein optimales Wachstum bevorzugt die Art Bodenverhältnisse mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5. - Eine namentlich bekannte Zuchtsorte ist 'Maliner Kren', die sich durch besonders große, weiße Wurzeln auszeichnet. - Innerhalb der Familie der Kreuzblütler ist der Meerrettich eng mit *Sinapis alba* (Weißer Senf) und *Eutrema japonicum* (Wasabi) verwandt.[7]

Name & Einordnung

Der heute anerkannte wissenschaftliche Name der Art lautet *Armoracia rusticana* G. Gaertn., B. Mey. & Scherb., wobei sie taxonomisch der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) zugeordnet wird. Ein historisch relevantes Synonym ist *Cochlearia armoracia* L., das die frühere Einordnung durch Carl von Linné widerspiegelt, bevor die moderne Abgrenzung innerhalb der Gattung *Armoracia* erfolgte. Der Gattungsname *Armoracia* entstammt keltischen Sprachen und bedeutet wahrscheinlich „am Meer“ oder verweist auf die antike Region Armorica (heutige Bretagne), was auf das Gedeihen in küstennahen Habitaten hindeutet. Auch der deutsche Trivialname „Meerrettich“ lässt sich wörtlich als „Meeres-Rettich“ verstehen und greift diese geographische Assoziation auf. In Österreich und Süddeutschland ist die Bezeichnung „Kren“ gebräuchlich, die etymologische Wurzeln mit slawischen Namen wie dem polnischen „Chrzan“, dem russischen „Hren“ oder dem rumänischen „Hrean“ teilt.[3] Im englischen Sprachraum entstand im späten 16. Jahrhundert der Begriff „horseradish“, wobei das Präfix „horse“ hier als archaisches Adjektiv für „grob“ oder „stark“ dient und keinen zoologischen Bezug zu Pferden hat.[2] Trotz der Namensbestandteile handelt es sich bei *Armoracia rusticana* nicht um einen echten Rettich der Gattung *Raphanus*, wenngleich beide derselben Pflanzenfamilie angehören. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Art liegt in Südosteuropa und Westasien, insbesondere in den Flussgebieten von Wolga und Don. Evolutionsbiologisch wird angenommen, dass der Meerrettich als interspezifische Hybride entstand, was zur häufig beobachteten Sterilität der Pflanzen und der Notwendigkeit vegetativer Vermehrung beiträgt.[3]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Meerrettich (*Armoracia rusticana*) ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 60 bis 120 cm erreicht und aufrechte Stängel aus einer basalen Rosette bildet. Die grundständigen Blätter sind groß, grob strukturiert und dunkelgrün; sie werden bis zu 50 cm lang sowie 15 cm breit und besitzen lange Blattstiele. Ihre Form ist eiförmig bis länglich mit grob gezähnten oder gelappten Rändern. Im Gegensatz dazu sind die am Stängel sitzenden Laubblätter deutlich kleiner, schmaler (lanzettlich bis länglich) und umfassen den Stängel oft direkt. Diese Stängelblätter erreichen Längen von 10 bis 30 cm und zeichnen sich durch eine kahle, glänzende Oberseite aus.[3] Das Wurzelsystem wird von einer kräftigen, zylindrischen Pfahlwurzel mit cremeweißem Inneren dominiert, die typischerweise 20 bis 60 cm lang wird und am Kronenansatz einen Durchmesser von 2 bis 5 cm aufweist. Die Wurzel verjüngt sich nach unten und bildet verzweigte Rhizome, die der vegetativen Ausbreitung dienen. Der Blütenstand erscheint zwischen April und Juni als endständige, rispige Traube von 10 bis 40 cm Länge. Die darin enthaltenen kleinen, weißen Blüten haben einen Durchmesser von etwa 8 mm und bestehen aus vier Kronblättern, die doppelt so lang sind wie die Kelchblätter. Ein charakteristisches Bestimmungsmerkmal ist der scharfe, stechende Geruch, der erst bei Verletzung der Wurzel durch die enzymatische Freisetzung von Allylisothiocyanat entsteht. Zur Abgrenzung ist zu beachten, dass *Armoracia rusticana* trotz des Namens kein echter Rettich der Gattung *Raphanus* ist, obwohl beide zur Familie der Brassicaceae gehören. Vom oft verwechselten Wasabi (*Eutrema japonicum*) unterscheidet sich der Meerrettich zudem durch seinen terrestrischen Lebensraum, während Wasabi semi-aquatische Bedingungen bevorzugt.[1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Obwohl *Armoracia rusticana* primär als Kulturpflanze dient, kann sie aufgrund ihrer aggressiven Ausbreitung über Rhizome invasiven Charakter annehmen, weshalb bauliche Maßnahmen wie tiefe Wurzelsperren zur Eindämmung empfohlen werden. In der Landwirtschaft wird die Pflanze häufig vom Meerrettich-Erdfloh (*Phyllotreta armoraciae*) befallen, dessen Fraßspuren charakteristische Löcher in den Blättern hinterlassen und die Photosynthese schwächen. Weiteres Schadpotenzial geht von der Kleinen Kohlfliege (*Delia radicum*) aus, deren Larven Tunnel in die Pfahlwurzel bohren und Missbildungen verursachen, sowie von der Mehligen Kohlblattlaus (*Brevicoryne brassicae*) als Vektor für Viruserkrankungen.[3][1] Zu den bedeutendsten Pilzerkrankungen zählen die Verticillium-Welke (*Verticillium dahliae*), die zu Gefäßverfärbungen führt, und der Weiße Rost (*Albugo candida*), der sich durch cremige Pusteln auf den Blattunterseiten zeigt. Wurzelgallennematoden (*Meloidogyne incognita*) können perlenartige Gallen bilden, die die Nährstoffaufnahme blockieren, während *Plasmodiophora brassicae* (Kohlhernie) besonders in sauren Böden Wurzelverdickungen hervorruft.[3][2] Als zentrale Präventionsmaßnahme gilt eine strikte Fruchtfolge von 3 bis 4 Jahren ohne Kreuzblütler, um Infektionszyklen zu unterbrechen, sowie die Verwendung von krankheitsfreiem Pflanzgut.[1] Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) werden Kulturschutznetze gegen die Eiablage von Insekten und Mischkulturen mit Zwiebeln oder Knoblauch zur Abwehr durch flüchtige Verbindungen eingesetzt.[3][1] Zur biologischen Stärkung wurden spezielle organische Düngemittel entwickelt, die Bakterienkulturen enthalten, um die Krankheitsresistenz der Pflanze zu erhöhen. Post-Harvest tritt häufig bakterielle Weichfäule (*Pectobacterium* spp.) auf, die Wurzeln in eine schleimige Masse verwandelt und durch strikte Hygiene sowie Vermeidung mechanischer Verletzungen bei der Ernte kontrolliert werden muss.[3][1] Medizinisch relevant sind die enthaltenen Isothiocyanate (AITC), die zwar starke antimikrobielle Wirkungen gegen Erreger wie *Escherichia coli* zeigen, bei direktem Kontakt jedoch Haut und Schleimhäute reizen können.[6][3] Übermäßiger Verzehr kann gastrointestinale Beschwerden auslösen und aufgrund goitrogener Glucosinolate bei empfindlichen Personen die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen. Seltene allergische Reaktionen sind bei Personen mit Sensibilität gegenüber der Familie der Brassicaceae möglich.[2]

Biologie & Lebenszyklus

Armoracia rusticana ist eine ausdauernde, krautige Pflanze aus der Familie der Brassicaceae, die Wuchshöhen von 60 bis 120 cm erreicht und eine kräftige, zylindrische Pfahlwurzel ausbildet. Der Lebenszyklus ist durch ein saisonales Absterben der oberirdischen Blattrosette im Winter und einen erneuten Austrieb aus den persistenten Rhizomen im Frühjahr gekennzeichnet. Die Blütezeit erstreckt sich von April bis Juni, wobei die Pflanze kleine weiße Blüten in rispigen Trauben hervorbringt. Obwohl eine Bestäubung durch Insekten aufgrund der Selbstinkompatibilität theoretisch notwendig wäre, sind die meisten kultivierten Klone weitgehend steril. Da die Bildung keimfähiger Samen äußerst selten ist und der Pollen oft nicht lebensfähig ist, erfolgt die Fortpflanzung in der Praxis fast ausschließlich vegetativ über Wurzelstecklinge. Für eine optimale physiologische Entwicklung benötigt der Meerrettich kühle gemäßigte Klimazonen mit 120 bis 180 frostfreien Tagen. Eine ausgeprägte Kälteperiode im Winter ist zwingend erforderlich, um die Dormanz (Ruhephase) zu induzieren und das Wurzelwachstum im Folgejahr zu stimulieren. Die Art weist eine bemerkenswerte Kältetoleranz auf und übersteht in etabliertem Zustand Temperaturen bis zu -40 °C (USDA-Zonen 3 bis 9). Als Nahrungssubstrat bevorzugt die Pflanze tiefgründige, feuchte und lehmige Böden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5, da schwere oder steinige Böden zu deformierten Wurzeln führen. Die Generationsdauer in der landwirtschaftlichen Nutzung ist verkürzt; Wurzeln werden meist im Alter von ein bis zwei Jahren geerntet, um die optimale Textur und Schärfe zu gewährleisten. Physiologisch ist die Pflanze durch die Einlagerung von Glucosinolaten wie Sinigrin charakterisiert, die bei Gewebeverletzung durch das Enzym Myrosinase zu scharfen Isothiocyanaten hydrolysieren. Zu den spezifischen natürlichen Feinden zählen die Larven der Kleinen Kohlfliege (*Delia radicum*), die in das Wurzelgewebe bohren und Fäulnisprozesse begünstigen. Ebenso verursacht der Meerretticherdfloh (*Phyllotreta armoraciae*) als Imago durch charakteristischen Lochfraß an den Blättern signifikante Schäden, die die Photosynthese beeinträchtigen. Weitere Mortalitätsfaktoren sind pilzliche Pathogene wie *Verticillium dahliae* (Verticillium-Welke) und *Albugo candida* (Weißer Rost), die Gefäßsysteme verstopfen oder Blätter zerstören. Zur Stärkung der Widerstandskraft gegen Krankheiten und zur Verbesserung des Wurzelmilieus werden teilweise spezialisierte organische Dünger mit bakteriellen Komponenten entwickelt.[1]

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Deutschland

    22.11.2025

  • Am Speicher, Berlin, Berlin, Deutschland

    14.11.2025

  • Universitätsklinikum, Leipzig, Saxony, Deutschland

    07.11.2025

  • Germany

    18.10.2025

  • Am Wäldchen, 13159 Berlin, Deutschland

    15.10.2025

Daten: iNaturalist

Vorkommen & Lebensraum

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von *Armoracia rusticana* liegt in Südosteuropa und Westasien, wobei die Wildvorkommen insbesondere in Südrussland, der Ostukraine sowie in den Flussgebieten von Wolga und Don zentriert sind.[2][3] In diesen Regionen besiedelt die Art primär feuchte Habitate und Flussufer. Der deutsche Name „Meerrettich“ verweist zudem auf historische Vorkommen in küstennahen Gebieten Europas, etwa in der Bretagne (Armorica). Durch die seit über 3.000 Jahren bestehende Kultivierung wurde die Pflanze weit über ihr natürliches Areal hinaus verbreitet.[2] Im 17. Jahrhundert führten europäische Siedler die Art in Nordamerika ein, wo sie sich zunächst in Neuengland etablierte und später naturalisierte.[3] Heute ist der Meerrettich weltweit in den gemäßigten Klimazonen anzutreffen und gilt in den USDA-Winterhärtezonen 3 bis 9 als beständig.[1] In den Vereinigten Staaten konzentrieren sich verwilderte und kultivierte Bestände stark auf den Mittleren Westen, insbesondere auf Illinois und Wisconsin.[2] Die Pflanze bevorzugt vollsonnige Standorte mit tiefgründigen, lockeren und lehmigen Böden, die eine gute Wasserhaltefähigkeit bei gleichzeitiger Durchlässigkeit aufweisen. Schwere, staunasse oder steinige Böden werden gemieden, da sie das Wachstum der Pfahlwurzel behindern.[1] Außerhalb von Anbauflächen tritt *Armoracia rusticana* häufig als Kulturflüchtling in Siedlungsbereichen oder auf Ruderalflächen auf.[2] Aufgrund der effektiven vegetativen Vermehrung über Rhizome und Wurzelstücke zeigt die Art eine hohe Persistenz und kann an geeigneten Standorten invasiven Charakter entwickeln.[2][1]

Saisonalität & Aktivität

Der Lebenszyklus von *Armoracia rusticana* ist durch ein ausgeprägtes saisonales Wachstum geprägt, bei dem die oberirdischen Pflanzenteile im Winter absterben und im Frühjahr aus den persistenten Rhizomen regenerieren.[3] Die Blütezeit der Art erstreckt sich in der Regel von April bis Juni, wobei sich weiße Blütenstände in endständigen Rispen bilden. Für eine erfolgreiche Entwicklung benötigt die Pflanze kühle gemäßigte Klimazonen und kalte Winter, um in die physiologische Dormanz einzutreten. Sie weist eine hohe Kältetoleranz auf und übersteht Temperaturen bis zu -40 °C. Die Ernte der Wurzeln erfolgt primär im Spätherbst zwischen Oktober und November, nachdem der erste harte Frost das Laub vernichtet hat. Dieser Kältereiz ist essenziell, da er die Qualität und die Anreicherung der für die Schärfe verantwortlichen Inhaltsstoffe in der Wurzel verbessert.[1] Während der Vegetationsperiode sind spezifische Schädlinge aktiv, darunter der Meerrettich-Erdfloh (*Phyllotreta armoraciae*) und die Kohlfliege (*Delia radicum*), die das Blattwerk und die Wurzeln befallen.[3] Auch Wurzelgallennematoden (*Meloidogyne incognita*) treten im Boden auf, wobei deren juvenile Stadien in den Sommermonaten bekämpft werden müssen.[1] Das öffentliche Interesse an der Pflanze korreliert stark mit der Erntezeit und zeigt signifikante Spitzenwerte in den Monaten November und Dezember, während die Nachfrage im Juni und Juli am geringsten ist.[4]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

CN-106396855-A Biological Unbekannt

Spezieller organischer Dünger für Armoracia rusticana und dessen Herstellungsverfahren

Rizhao huamei food stock Company Ltd. (2016)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt einen spezialisierten organischen Dünger für den Anbau von Meerrettich. Die Mischung enthält biologische Bakterienflüssigkeiten, Algenstärke und Melasse. Besonders relevant ist die Fähigkeit des Mittels, das Wachstum schädlicher Bakterien zu hemmen und die Krankheitsresistenz der Pflanze zu erhöhen. Es stärkt das Wurzelsystem und verbessert das ökologische Umfeld der Kulturpflanze aktiv.

Quellen & Referenzen

  1. https://plants.ces.ncsu.edu/plants/armoracia-rusticana/
  2. https://www.gbif.org/species/3041022
  3. https://hort.extension.wisc.edu/articles/horseradish-armoracia-rusticana/
  4. Zeitreihen-Analyse: Suchinteresse (aggregiert)
  5. https://horseradish.org/horseradish-history/
  6. https://doi.org/10.1016/j.foodcont.2009.12.030
  7. Literaturzusammenfassung (mit Bibliographie, siehe Primärquellenliste)