Fakten (kompakt)
- Das ätherische Öl der Pflanze weist einen hohen Gehalt an Terpinen-4-ol auf, der typischerweise zwischen 30 und 40 % liegt. - Zu den spezifischen medizinischen Anwendungsgebieten zählen die Behandlung von Akne, Fußpilz sowie kleineren Hautinfektionen. - Indigene Australier nutzen die Pflanze bereits seit Jahrtausenden traditionell zur Versorgung von Wunden und Hauterkrankungen. - Die großflächige kommerzielle Produktion in Plantagen expandierte signifikant in den 1970er und 1980er Jahren. - Neben der pharmazeutischen Nutzung wird die Art im Landschaftsbau zur Erosionskontrolle und als Zierhecke geschätzt. - Für die Qualitätssicherung des Öls gelten internationale Standards, die in der Norm ISO 4730 festgelegt sind. - Edwin Cheel erhob das Taxon im Jahr 1924 offiziell vom Rang einer Varietät zur eigenständigen Spezies. - Junge Zweige sind oft pubeszent (fein behaart), während ältere Stämme eine glattere Struktur annehmen. - Die Blätter besitzen zahlreiche prominente Öldrüsen, die der Oberfläche ein charakteristisches punktiertes Aussehen verleihen. - Taxonomisch gehört die Art zur Ordnung der Myrtales und dem Stamm der Tracheophyta (Gefäßpflanzen).[9]
Der akzeptierte wissenschaftliche Name der Art lautet *Melaleuca alternifolia* (Maiden & Betche) Cheel.[1][3] Systematisch wird die Spezies der Familie der Myrtengewächse (Myrtaceae) und darin der Tribus Melaleuceae zugeordnet. Phylogenetische Untersuchungen bestätigen die Platzierung in einer Klade mit anderen *Melaleuca*-Arten und zeigen eine deutliche Abgrenzung zur *Eucalyptus*-Linie (Tribus Eucalypteae) innerhalb der Myrtaceae.[2] Die Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1905 durch Joseph Henry Maiden und Ernst Betche, die das Taxon zunächst als Varietät unter dem Namen *Melaleuca linariifolia* var. *alternifolia* klassifizierten.[1][2] Der Botaniker Edwin Cheel erhob die Pflanze im Jahr 1924 in den Rang einer eigenständigen Art. Neben dem Basionym sind aktuell keine weiteren Synonyme für *Melaleuca alternifolia* anerkannt.[1] Im internationalen Sprachgebrauch ist die Trivialbezeichnung „Tea tree“ (Teebaum) geläufig, die sich primär auf das kommerziell bedeutende ätherische Öl bezieht. Das Artepitheton *alternifolia* korrespondiert mit der morphologischen Beschreibung der Blätter, die im Gegensatz zu verwandten Arten wechselständig am Stängel angeordnet sind.[2]
*Melaleuca alternifolia* wächst als immergrüner Strauch oder kleiner Baum, der typischerweise Wuchshöhen von 4 bis 7 Metern erreicht.[1][2] Die Pflanze bildet eine schlanke, ein- oder mehrstämmige Struktur mit einer buschigen Krone aus. Ein charakteristisches Merkmal ist die papierartige, weiße bis graue Rinde, die weich geschichtet ist und sich in dünnen Streifen ablöst, um frische Schichten freizulegen. Die wechselständig angeordneten Blätter sind linear bis schmal lanzettlich geformt und messen 1 bis 3,5 cm in der Länge bei einer Breite von weniger als 1 mm. Auf der glatten Blattoberfläche befinden sich zahlreiche prominente Öldrüsen, die dem Blatt ein punktiertes Aussehen verleihen und für den aromatischen Duft verantwortlich sind. Während junge Zweige oft flaumig behaart sind, weisen ältere Stämme eine glattere Oberfläche auf.[2] Die kleinen, weißen bis gelblichen Blüten stehen in dichten Ähren aus 5 bis 20 Einzelblüten zusammen, die endständig oder aus den oberen Blattachseln entspringen.[2][3] Jede Einzelblüte besitzt einen Durchmesser von etwa 0,5 bis 1 cm, wobei die rundlich-eiförmigen, ca. 2 mm langen Kronblätter früh abfallen. Auffälligstes Merkmal sind die in fünf Bündeln vereinigten Staubblätter mit einem 6 bis 12 mm langen Nagel und 30 bis 60 Filamenten, die sich nach außen spreizen. Die Blütezeit erstreckt sich im nativen Verbreitungsgebiet primär von Oktober bis November. Nach der Bestäubung entwickeln sich verholzte, becherförmige Kapseln mit einem Durchmesser von 2 bis 3 mm.[2] Diese Früchte sitzen verstreut an den Stängeln unterhalb der Blattachseln und verbleiben oft über mehrere Jahre an der Pflanze. Jede Kapsel enthält zahlreiche winzige Samen, deren Freisetzung meist durch Umweltreize wie Feuer oder Hitze ausgelöst wird. Die Art besitzt zudem Lignotuber an der Basis, die ein vegetatives Austreiben nach Störungen ermöglichen.[3]
Melaleuca alternifolia fungiert ökologisch als Nektarquelle für Bestäuber und bietet spezialisierten Herbivoren wie Blattflöhen der Gattung Trioza einen Lebensraum.[5][3] Obwohl die Art als robust gilt, besteht bei Staunässe eine erhöhte Anfälligkeit für Wurzelfäule durch Phytophthora-Arten. Im Anbau können Schädlinge wie Blattläuse, Schildläuse und Bockkäfer auftreten, die durch regelmäßiges Monitoring der Zweige frühzeitig erkannt werden sollten. Zur Bekämpfung dieser Insekten werden im Gartenbau biologische Mittel wie Neemöl oder insektizide Seifen eingesetzt.[3] Die wirtschaftliche Hauptbedeutung liegt in der Gewinnung von Teebaumöl, das antimikrobielle Eigenschaften gegen Bakterien (z. B. MRSA), Pilze und Viren aufweist.[8][2] Medizinisch wird es unter anderem zur Behandlung von Akne und Fußpilz verwendet, während es in der Landwirtschaft als registriertes Biopestizid dient.[3][6] Gesundheitlich ist das Risiko einer allergischen Kontaktdermatitis relevant, wobei Testreihen Reaktionsraten zwischen 0,1 % und 3,5 % belegen.[2] Die orale Aufnahme des Öls ist hochgiftig und kann Symptome wie Ataxie, Verwirrtheit und Koma verursachen.[3] Besonders für Katzen sind bereits geringe Mengen aufgrund der enthaltenen phenolischen Verbindungen lebensbedrohlich.[6] Regulatorisch wurde das Öl in der Europäischen Union als reproduktionstoxisch (Kategorie 1B) eingestuft, was die Verwendung in Kosmetika einschränkt.[7] Das Qualitätsmanagement im kommerziellen Anbau richtet sich nach ISO-Normen und Nachhaltigkeitskodizes, um die Reinheit des Terpinen-4-ol-Chemotyps zu gewährleisten.[3] Zudem belegen Patentdaten die Entwicklung von Repellents gegen Mücken auf Basis von Pflanzenextrakten der Art.[4]