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Argentinische Ameise Linepithema humile

Argentinische Ameise
Mittleres Risiko Invasive Art Krankheitsüberträger Kann beißen Allergen Physische Gefahr Kann stechen

Taxonomische Klassifikation

Reich Tiere (Animalia)
Stamm Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse Insekten (Insecta)
Ordnung Hautflügler (Hymenoptera)
Familie Formicidae
Gattung Linepithema
Art Linepithema humile
Wissenschaftlicher Name: Linepithema humile (Mayr, 1868)
Akzeptierter Name
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Einleitung

Die **Argentinische Ameise** (*Linepithema humile*) ist eine ursprünglich aus Südamerika (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) stammende Art der Unterfamilie Dolichoderinae, die heute weltweit als invasives Neozoon auf sechs Kontinenten verbreitet ist.[1][2] Charakteristisch für die Spezies ist die Bildung riesiger, unikolonialer Superkolonien mit zahlreichen Königinnen (Polygynie), was ihr durch fehlende innerartliche Aggression eine dominante Verdrängung einheimischer Ameisenarten ermöglicht.[2] Während sie in wärmeren Klimazonen massive ökologische und landwirtschaftliche Schäden verursacht, tritt sie in kühleren Regionen primär in beheizten Gebäuden als Hygiene- und Vorratsschädling auf, da sie dort im Freien meist nicht überwintern kann.[1][2]

Fakten (kompakt)

Hier sind einige Fakten über die Argentinische Ameise (*Linepithema humile*) in kompakter Form: - Die Argentinische Ameise (*Linepithema humile*) ist eine kleine, hell- bis dunkelbraune Ameise mit einer Länge von 2–3 mm. - Sie stammt ursprünglich aus dem subtropischen Grasland von Argentinien, Uruguay, Paraguay und dem südlichen Brasilien.[2] - *L. humile* ist bekannt für ihre außergewöhnliche Invasivität und hat sich seit dem späten 19. Jahrhundert weltweit verbreitet. - Diese [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) bilden riesige Superkolonien, die sich über Tausende von Kilometern erstrecken können. - *Linepithema humile* Kolonien sind polygyn (mehrere Königinnen) und polydom (mehrere Nester). - Königinnen können bis zu 60 Eier pro Tag legen. - Arbeiterinnen kümmern sich um die Brut in flachen, feuchten Nestern, die Temperaturen von -5 °C bis 45 °C tolerieren. - Die Nahrungssuche erfolgt das ganze Jahr über in warmen Klimazonen, wobei Süßigkeiten, Proteine und Öle bevorzugt werden.[2] - Als invasive Art hat *L. humile* tiefgreifende Auswirkungen auf Ökosysteme, indem sie einheimische [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) verdrängt. - Sie reduziert die Vielfalt einheimischer [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) in den betroffenen Gebieten um bis zu 90 %. - *Linepithema humile* geht eine schützende Symbiose mit Schädlingen wie [Blattläusen](/pages/lexikon/blattlause) und Wollläusen ein. - Diese [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) schützen diese Schädlinge vor Fressfeinden und erhöhen ihre Populationen um das 2- bis 5-fache, was die Schäden an Nutzpflanzen wie Zitrusfrüchten verstärkt.[2] - Wirtschaftlich gesehen ist *L. humile* ein bedeutender Schädling in städtischen und landwirtschaftlichen Gebieten. - Die Bekämpfung erfolgt durch Köder, Hygiene und Barriere-Methoden, da es in den eingeschleppten Gebieten keine wirksamen natürlichen Feinde gibt.[2]

Namen & Einordnung (kurz)

Die Argentinische Ameise (*Linepithema humile*) wurde ursprünglich 1868 von Mayr unter dem Namen *Hypoclinea humilis* beschrieben.[2][3] Lange Zeit ordnete man die Art der Gattung *Iridomyrmex* zu, weshalb sie in älterer Literatur oft als *Iridomyrmex humilis* geführt wird. Im Jahr 1992 transferierte Shattuck die Spezies aufgrund morphologischer Merkmale in die Gattung *Linepithema*. Taxonomisch wird sie heute innerhalb der Familie [Formicidae](/pages/lexikon/ameisen) zur Unterfamilie Dolichoderinae gestellt.[2]

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Arbeiterinnen von *Linepithema humile* sind monomorph und erreichen eine Körperlänge von 2,2 bis 2,8 mm. Ihre Färbung ist einheitlich hell- bis dunkelbraun, wobei der Hinterleib oft etwas dunkler erscheint. Zu den zentralen Bestimmungsmerkmalen gehören der eingliedrige Stiel (Petiolus) mit einer aufrechten Schuppe sowie das Fehlen von Dornen auf dem Thorax.[3][1] Der Kopf ist länger als breit und trägt zwölfgliedrige Antennen ohne Keule. Als Vertreter der Unterfamilie Dolichoderinae besitzt die Art keinen Stachel, sondern verteidigt sich durch Bisse.[3] Die Königinnen sind mit 4,5 bis 6,0 mm deutlich größer als die Arbeiterinnen und weisen drei Ocellen auf dem Kopf auf. Männliche Tiere messen zwischen 2,8 und 3,0 mm und zeichnen sich durch eine dunklere, schwärzlich-braune Färbung aus.[1][3] Die Larven erscheinen weißlich, während die Puppenentwicklung ohne schützenden Kokon stattfindet.[1] Von der ähnlichen Art *Tapinoma sessile* lässt sich *Linepithema humile* durch die aufrechte Petiolus-Schuppe unterscheiden. Zudem verströmen zerdrückte Exemplare einen modrigen Geruch, im Gegensatz zum Duft nach verrotteter Kokosnuss bei *Tapinoma sessile*.[3][1]

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Argentinische Ameise (*Linepithema humile*) wird primär als Hygieneschädling und Lebensmittelverderber eingeordnet.[1] Sie ernährt sich räuberisch von tierischen Substanzen sowie Körnern und kann Vorräte durch potenzielle Keimübertragung kontaminieren.[1][3] In landwirtschaftlichen Kulturen verursacht die Art erhebliche indirekte Schäden, indem sie Pflanzenschädlinge wie [Blattläuse](/pages/lexikon/blattlause) und Schmierläuse vor Fressfeinden schützt, um deren Honigtau zu nutzen. In urbanen Bereichen dringen die Tiere in Gebäude ein und können in elektrischen Anlagen Kurzschlüsse oder Korrosion verursachen.[3] Die Prävention in kühleren Klimazonen profitiert davon, dass die Art im Freien meist nicht überwintern kann und auf geheizte Räume angewiesen ist. Eine Eiablage findet bei Temperaturen unter 20 °C nicht mehr statt, was die Populationsentwicklung limitiert.[1] Die Bekämpfung gestaltet sich aufgrund der Bildung riesiger, vernetzter Superkolonien als schwierig.[3] Als effektivste Methode gelten langsam wirkende Fraßköder (z. B. mit Fipronil oder Hydramethylnon), die über den sozialen Futteraustausch (Trophallaxis) im gesamten Nest verteilt werden. Kontaktinsektizide und physikalische Barrieren wie Diatomeenerde bieten hingegen oft nur temporären Schutz vor eindringenden Arbeiterinnen. Aus hygienischer Sicht ist relevant, dass *Linepithema humile* pathogene Bakterien mechanisch auf Lebensmittel übertragen kann, auch wenn sie Menschen nur selten beißt.[3]

Biologie & Lebenszyklus

Die Argentinische Ameise (*Linepithema humile*) durchläuft eine vollständige Metamorphose über die Stadien Ei, Larve, Puppe und Imago. Die gesamte Entwicklungsdauer vom Ei bis zur Arbeiterin beträgt durchschnittlich 74 Tage, variiert jedoch stark in Abhängigkeit von der Temperatur.[1][3] Während Eier bei 30 °C bereits nach etwa 10 Tagen schlüpfen, kann die Entwicklung bei kühleren Temperaturen deutlich länger dauern.[3] Eine Eiablage findet bei Temperaturen unter 20 °C nicht mehr statt, da die Art für eine optimale Entwicklung auf warmes Klima angewiesen ist.[1] Die Kolonien sind polygyn organisiert, wobei mehrere Königinnen koexistieren, die jeweils bis zu 60 Eier pro Tag legen können.[1][3] Die Begattung erfolgt typischerweise intranidal innerhalb des Nestes ohne Hochzeitsflug, woraufhin die Königinnen den Spermavorrat für ihre gesamte Lebensspanne speichern. Die Ausbreitung und Gründung neuer Kolonien geschieht primär durch Nestteilung (Budding), indem Gruppen von Arbeiterinnen und Königinnen zu neuen Standorten abwandern.[3] Die Nester werden im Sommer bis zu 32 cm tief im Erdreich oder unter schützendem Material in feuchten Bereichen angelegt.[1][3] Ernährungsphysiologisch ist die Art omnivor und nutzt Honigtau von Hemipteren (wie [Blattläusen](/pages/lexikon/blattlause)) sowie zucker-, öl- und proteinhaltige Nahrungsquellen.[3] Zudem ernährt sich *Linepithema humile* räuberisch von tierischen Substanzen und verwertet auch Körner. In kühleren Regionen ist eine Überwinterung im Freien oft nicht möglich, weshalb die [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) in der kalten Jahreszeit auf beheizte Gebäude ausweichen.[1]

Vorkommen & Lebensraum

*Linepithema humile* stammt ursprünglich aus dem Einzugsgebiet des Paraná-Flusses in Südamerika, wo die Art feuchte Uferzonen und offenes Grasland bewohnt.[3] Durch den globalen Warenverkehr wurde sie weltweit verschleppt und ist heute in Regionen mit mediterranem oder subtropischem Klima auf allen Kontinenten außer der Antarktis etabliert.[3][2] In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet bilden die Kolonien moderate Größen, während sie in invasiven Bereichen oft riesige, zusammenhängende Superkolonien formen.[2] In kühleren Klimazonen ist ein dauerhaftes Überleben im Freien meist nicht möglich, weshalb die Art dort primär in beheizten Gebäuden überwintert. Die Nester werden im Sommer bis zu 32 cm tief im Erdreich angelegt, befinden sich jedoch häufig auch flach unter [Steinen](/pages/lexikon/lebende-steine), Totholz oder Pflanzenresten. In urbanen Umgebungen nutzt *Linepithema humile* bauliche Hohlräume wie Wandzwischenräume oder Bereiche unter Fußböden als Rückzugsorte. Die Arbeiterinnen sind bei Temperaturen zwischen 5 und 35 °C aktiv und stellen bei Kälte die Futtersuche im Freien ein.[1] Bevorzugte Nistplätze zeichnen sich durch eine hohe Feuchtigkeit aus, weshalb die [Ameisen](/pages/lexikon/ameisen) oft in der Nähe von Bewässerungssystemen oder undichten Leitungen zu finden sind.[3][1]

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivität der Argentinischen Ameise (*Linepithema humile*) ist stark temperaturabhängig und findet primär in einem Bereich zwischen 5 °C und 35 °C statt.[1] In gemäßigten Zonen konzentriert sich die Hauptphase der Futtersuche und Kolonieexpansion auf das Frühjahr und den Sommer, was sich auch in einem erhöhten Suchinteresse mit Spitzenwerten im März und Juli widerspiegelt.[3][4] Während die Arbeiterinnen bei optimalen Bedingungen rund um die Uhr aktiv sind, beschränkt sich die Futtersuche bei kühlerem Wetter auf den Tag oder verlagert sich bei großer Hitze in die Nacht.[1][3] In kälteren Klimaten ist eine Überwinterung im Freien oft nicht möglich, weshalb die Kolonien auf beheizte Innenräume oder geschützte Bereiche ausweichen. Im Sommer legen die Tiere ihre Nester bis zu 32 cm tief im Erdreich an, um geeignete Umweltbedingungen zu sichern. Die Reproduktion ist ebenfalls an Wärme gebunden, da die Eiablage erst ab einer täglichen Haupttemperatur von 18 °C erfolgt und unter 20 °C vollständig stoppt.[1] Entsprechend sinkt das öffentliche Interesse an der Art in den Wintermonaten deutlich ab, mit einem Tiefpunkt im Januar.[4]

Wissenschaftliche Forschung & Patente

JP-2014037414-A Chemical Unbekannt

Mittel zur Bekämpfung von Linepithema humile und Verfahren zu dessen Bekämpfung

Japan Enviro Chemicals Ltd. (2013)

Relevanz: 8/10

Zusammenfassung

Dieses Patent beschreibt ein chemisches Mittel zur spezifischen Bekämpfung der Argentinischen Ameise (Linepithema humile). Als Wirkstoff werden lineare oder verzweigte Alkohole mit 6 bis 20 Kohlenstoffatomen eingesetzt, oft in Kombination mit Fettsäuren. Eine weitere Ausführungsform kombiniert diese Alkohole mit dem Insektizid Clothianidin als zweiten Wirkstoff. Diese Formulierung zielt darauf ab, die Ameisen effektiv abzutöten oder zu kontrollieren. Die Kombination der Wirkstoffe soll eine hohe Wirksamkeit gegen diese invasive Art gewährleisten.

JP-2005263651-A Pheromone Unbekannt

Verhaltensstörer und Verfahren zur Verhaltensstörung von Linepithema humile

Shinetsu Chemical Company (2004)

Relevanz: 10/10

Zusammenfassung

Dieses Patent stellt eine Methode vor, um das Verhalten der Argentinischen Ameise durch den Einsatz von Pheromonen massiv zu stören. Dabei wird Z-9-Hexadecenal, welches als natürliches Spurpheromon der Ameisen fungiert, in die Atmosphäre diffundiert. Durch die künstliche Sättigung der Umgebung mit diesem Stoff werden die Kommunikationswege und Pfade der Ameisen unterbrochen ('Verwirrungstechnik'). Dies führt zu einer Desorientierung der Kolonie und unterdrückt effektiv deren Reproduktion und organisierte Futtersuche. Es handelt sich um einen spezifischen Ansatz zur Kontrolle der Population ohne den primären Einsatz klassischer Gifte.

Quellen & Referenzen

  1. https://content.behrs-online.de/wissen/document-view/kom_qm-schaedlingsbekaempfer_schaedlingsbekaempfer_011_04_01_04_04/print
  2. https://www.cabidigitallibrary.org/doi/full/10.1079/cabicompendium.30839
  3. https://animaldiversity.org/accounts/Linepithema_humile/
  4. Suchinteresse-Zeitreihe (aggregierte Systemdaten)