Der Apfelwickler wird wissenschaftlich als *Cydia pomonella* (Linnaeus, 1758) geführt und gehört zur Familie der Tortricidae (Wickler).[1][3] Die Erstbeschreibung erfolgte durch Carl Linnaeus im Jahr 1758 in der 10. Auflage der *Systema Naturae* unter dem ursprünglichen Namen *Phalaena Tinea pomonella*. Das Art-Epitheton *pomonella* leitet sich vom lateinischen Begriff *poma* (Obst, Apfel) ab und verweist auf die primäre Assoziation mit Äpfeln. Als Typuslokalität wurde kein spezifischer geographischer Ort definiert, sondern allgemein europäische Apfelbestände („Habitat intra Europae poma“) angegeben.[3] Ein historisch bedeutendes Synonym ist *Carpocapsa pomonella*, eine Kombination, die im frühen 20. Jahrhundert weit verbreitet war, bevor die Gattung *Cydia* aufgrund von Prioritätsregeln als valide festgelegt wurde. Innerhalb der Familie wird die Art in die Unterfamilie Olethreutinae gestellt, was eine evolutionäre Anpassung vom typischen Blattwickeln hin zum internen Fruchtfraß markiert. Im englischen Sprachraum ist der Trivialname „codling moth“ (Nordamerika, Europa) oder „codlin moth“ (Australien) etabliert. Aufgrund der spezifischen Fraßschäden im Fruchtkern wird das Larvenstadium international umgangssprachlich auch als „apple worm“ bezeichnet.[3]
Der adulte *Cydia pomonella* ist ein kleiner Falter mit einer Körperlänge von 9 bis 12 mm und einer Flügelspannweite von 15 bis 20 mm. Die graubraunen Vorderflügel sind mit dunkleren Schuppen marmoriert und weisen an der Flügelspitze einen charakteristischen kupfer- oder bronzefarbenen Fleck auf, der als wichtiges Bestimmungsmerkmal dient.[1][2] Die Hinterflügel erscheinen heller kupferbraun und sind mit langen Fransenschuppen gesäumt, während der robuste Körper fein beschuppt ist.[2] In der Ruheposition falten die Motten ihre Flügel dachartig über dem Abdomen zusammen, was ihnen eine zeltartige Form verleiht. Die fadenförmigen Antennen werden rückwärts entlang des Körpers gehalten, wobei Männchen längere Antennen mit einer höheren Dichte an Sinneshaaren im Vergleich zu Weibchen besitzen.[3] Ein deutlicher Sexualdimorphismus zeigt sich zudem bei den Männchen, die an den Hinterbeinen bürstenartige Schuppenstrukturen zur Pheromonverbreitung tragen.[2] Die flachen, ovalen Eier messen 0,8 bis 1,0 mm im Durchmesser und verfärben sich während der Entwicklung von transluzent-weiß zu einem rötlichen Ringstadium. Die Larven durchlaufen fünf Stadien und wachsen von etwa 2 mm nach dem Schlupf auf eine Endlänge von bis zu 20 mm heran.[3] Während junge Raupen blass mit einem schwarzen Kopf sind, weisen ausgewachsene Larven eine rosa-weiße bis cremefarbene Körperfärbung auf.[2][3] Charakteristisch für die erwachsene Larve sind die deutliche braune Kopfkapsel sowie braune Thorakal- und Analschilde. Der glatte, segmentierte Körper ist mit drei Paar echten Beinen am Thorax und fünf Paar Bauchfüßen am Abdomen ausgestattet.[2] Ein Befall ist oft durch rotbraunen Kot (Frass) erkennbar, der aus den Ein- oder Ausbohrlöchern der Frucht quillt.[3] Die Puppe ist 10 bis 13 mm lang, rotbraun gefärbt und besitzt am hinteren Ende einen Kremaster zur Verankerung im seidenen Kokon.[2][3]
Der Apfelwickler (*Cydia pomonella*) gilt weltweit als einer der wirtschaftlich bedeutendsten Schädlinge im Kernobstanbau, der ohne Gegenmaßnahmen Ernteverluste von 30 bis 50 % oder in Extremfällen bis zu 95 % verursachen kann.[3][2] Das primäre Schadbild entsteht durch die Fraßtätigkeit der Larven, die sich spiralförmig in das Fruchtinnere bis zum Kerngehäuse bohren und dabei charakteristischen rotbraunen Kot (Frass) an den Ein- oder Ausbohrlöchern hinterlassen.[3] Diese Fraßgänge machen die Früchte nicht nur unverkäuflich, sondern dienen oft als Eintrittspforten für Sekundärinfektionen durch Pilze oder Bakterien, die eine vorzeitige Fäulnis auslösen.[2][7] Aufgrund des hohen Schadpotenzials unterliegt der Schädling in bestimmten Regionen Quarantänebestimmungen, was strenge Exportkontrollen und Zertifizierungen für den Handel mit Ländern wie Japan erfordert.[1][5] Für das Monitoring und die Bestimmung des optimalen Bekämpfungszeitpunkts (Biofix) werden Pheromonfallen eingesetzt, die die Flugaktivität der männlichen Falter überwachen. Präventive kulturtechnische Maßnahmen umfassen die systematische Entfernung von befallenem Fallobst sowie die Nutzung von Wellpapperingen an Baumstämmen, um verpuppungsbereite Larven abzufangen. Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) ist die Verwirrmethode (Mating Disruption) zentral, bei der die Plantagen mit dem synthetischen Sexualpheromon Codlemon gesättigt werden, um die Paarung der Falter zu verhindern. Die biologische Bekämpfung nutzt spezifische Antagonisten wie das Apfelwickler-Granulosevirus (CpGV), das nach der Aufnahme durch die Larven tödlich wirkt, wobei neuere Virusstämme auch gegen resistente Populationen entwickelt wurden.[3][2] Ergänzend können Eiparasitoide der Gattung *Trichogramma* ausgebracht werden, um die Populationsdichte natürlich zu regulieren.[1] Chemische Strategien setzen auf Insektenwachstumsregulatoren oder Neonicotinoide, wobei aufgrund weltweiter Resistenzen eine strikte Rotation der Wirkstoffklassen notwendig ist.[1][3] Innovative "Attract and Kill"-Verfahren kombinieren Lockstoffe mit Insektiziden in pastösen Formulierungen, um die Schädlinge gezielt anzulocken und zu eliminieren.[2][3]