Wenn plötzlich tausende schwarze Ameisen aus den Fugen deiner Terrasse strömen, greifen viele zuerst zu bekannten Hausmitteln. Bei der Großen Drüsenameise (Tapinoma magnum) stoßen diese Mittel aber schnell an Grenzen, denn die invasive Art bildet Superkolonien, die sich ganz anders verhalten als unsere heimischen Wegameisen. In diesem Artikel erfährst du, was Essig, Backpulver, Natron und Abflammen laut den betroffenen Städten bringen, wo Kieselgur und Barrieren helfen und warum Heißwasser bei Nestern im Garten die bessere Wahl ist.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Essig und Backpulver: Bei Befall im Haus können sie laut Stadt Karlsruhe lokal kurz- bis mittelfristig wirken [1]. Die Kolonie im Boden erreichen sie nicht.
- Abflammen: Die Stadt Wiesloch rät dringend davon ab. Nester lassen sich so nicht beseitigen, und es können schnell Brände entstehen [2].
- Kieselgur: Wirkt lokal und mittelfristig, indem es die Ameisen austrocknet, und eignet sich als Barriere an Hauszugängen und Mülltonnen [1].
- Heißwasser: Zugängliche Nester kannst du mit kochendem Wasser behandeln [3]. Ganz tilgen lässt sich eine Kolonie damit nicht, aber spürbar schwächen [4].

Warum Hausmittel bei der Großen Drüsenameise an Grenzen stoßen
Um zu verstehen, warum Hausmittel bei Tapinoma magnum nur begrenzt helfen, lohnt ein Blick auf die Biologie. Die Art bildet Superkolonien mit vielen Königinnen und vielen Nestern [5]. Die Stadt Kehl beschreibt Kolonien mit bis zu 100 Millionen Arbeiterinnen und mehr als 1.000 Königinnen [4]. Die Nester liegen bis etwa einen Meter tief im Boden, die Ameisen überstehen Frost bis unter minus zehn Grad [5].
Bekämpft werden müssen die Königinnen im Bau [1]. Ein Mittel, das nur an der Oberfläche wirkt oder lediglich einzelne Arbeiterinnen trifft, kann die Kolonie deshalb nicht beseitigen. Es kann aber helfen, einen bestimmten Bereich, etwa die Küche, eine Zeit lang freizuhalten.
Essig, Backpulver und Natron im Check
Essig: vertreibt, tötet aber nicht
Mit Essigwasser im Verhältnis 1:1 lässt sich die Duftspur der Ameisen zeitweise stören. Ähnlich wie bei duftenden Kräutern, Gewürzen oder ätherischen Ölen werden die Ameisen dadurch aber nicht getötet, sondern im besten Fall vertrieben [2]. Die Stadt Karlsruhe hält bei Befall im Haus einen Versuch mit Essig oder Essigessenz für sinnvoll: Das kann lokal kurz- bis mittelfristig wirken [1].
Backpulver und Natron: trifft Arbeiterinnen, nicht die Königinnen
Natron meiden Ameisen von Natur aus. Mit Puderzucker im Verhältnis 1:1 gemischt, kann es als Köder dienen. Laut Stadt Wiesloch schadet diese Methode aber nur den Arbeiterinnen, nicht den Königinnen [2]. Karlsruhe nennt auch Backpulver bei Befall im Haus als lokal kurz- bis mittelfristig wirksam [1].
Für viele weitere Hausmittel ist die Wirksamkeit laut Wiesloch nur sehr gering oder gar nicht nachgewiesen [2]. Kreide und Kalk nennt Karlsruhe als lokal abwehrend [1].
So setzt du Essig und Backpulver sinnvoll ein
Nutze sie gezielt im Haus, dort wo die Ameisen hereinkommen oder entlanglaufen, und kombiniere sie mit Barrieren an den Zugängen. Rechne damit, dass du die Anwendung wiederholen musst. Gegen die Nester im Garten richten sie nichts aus.
Warnung vor dem Abflammen
Viele Gartenbesitzer versuchen, Nester in Pflasterfugen mit einem Unkrautbrenner abzuflammen. Die Stadt Wiesloch rät dringend davon ab: Die Nester lassen sich dadurch nicht beseitigen, und mit Abflammgeräten werden schnell ungewollte Brände ausgelöst [2].

Kieselgur: Barriere für Haus und Mülltonnen
Kieselgur (auch Diatomeenerde, Wirkstoff amorphes Siliziumdioxid) ist ein Pulver aus versteinerten Kieselalgen. Es zerstört die äußere Körperhülle der Ameisen (Epicuticula), sodass die Tiere austrocknen [2][3]. Die Stadt Karlsruhe stuft Kieselgur als lokal und mittelfristig wirksam ein und nennt es vor allem als Barriere [1].
Empfohlen wird Kieselgur für folgende Bereiche:
- Zugänge ins Haus: Zugänge verschließen und Barrieren aus Kieselgur oder Vaseline legen, die du regelmäßig erneuerst [1][5].
- Mülltonnen: Mülltonnen mit Leimringen, Klebebändern oder Kieselgurschichten sichern [1]. Wiesloch rät zu Kieselgur, wenn sich in der Abfalltonne auffällig viele Ameisen tummeln [2].
- Hohlräume: Stockstadt nennt das Ausbringen hinter Fassadenverschalungen, an Übertrittspunkten ins Haus und in Hohlräumen [3].
Praxis-Tipp zur Anwendung
Kieselgur muss trocken gelagert und ausgebracht werden. Besonders geeignet ist es in Räumen und überdachten Bereichen. Beachte die Angaben des Herstellers [2]. Wird das Pulver feucht, verklumpt es und verliert seine Wirkung. Im Freien solltest du es deshalb vor allem in längeren Trockenphasen einsetzen [3].
Heißwasser für Nester im Garten
Gegen die Nester selbst setzen betroffene Gemeinden vor allem auf Heißwasser. Karlsruhe nennt kochend heißes Wasser von mindestens 80 °C, das ein Schädlingsbekämpfer mit einer Sprühlanze zweimal pro Woche in den Bau einbringt [1]. Wiesloch arbeitet mit 95 °C heißem Wasser an frei zugänglichen Nestern. Verdeckte Nester lassen sich so nur bedingt bekämpfen [2].
Auch im eigenen Garten kannst du zugängliche Nester mit kochendem Wasser behandeln, so empfiehlt es die Gemeinde Stockstadt für Bereiche, die für professionelle Geräte nicht erreichbar sind [3]. Pflanzen in unmittelbarer Nähe können dabei Schaden nehmen [2]. Wichtig ist Ausdauer: Die Stadt Kehl hält die ersten Wochen im Jahr für die wichtigsten und zieht ein ehrliches Fazit: Die Heißwassermethode kann eine Kolonie nicht tilgen, aber empfindlich schwächen [4]. Mehr dazu liest du in unserem Artikel Heißwasser und Heißschaum gegen Tapinoma magnum.
Weitere Maßnahmen: Staubsauger, Leimringe, Nahrungsentzug
- Nass-Staubsauger: Regelmäßiges Einsaugen der Arbeiterinnen auf den Ameisenstraßen schwächt die Kolonie, weil Königinnen und Larven in den Erdnestern weniger Nahrung bekommen [3].
- Leimringe: Mehrere Leimringe an Gehölzen mit Blattläusen wirken lokal und mittelfristig [1]. So schneidest du den Ameisen den Weg zum Honigtau ab.
- Nahrung entziehen: Kompostiere keine zuckerhaltigen oder proteinreichen Lebensmittelabfälle [2] und sichere deine Mülltonnen [1].
Und chemische Mittel?
Handelsübliche Ameisengifte zeigen laut Wiesloch bei Tapinoma magnum keine oder nur eine sehr geringe Wirkung [2]. Karlsruhe rät vom privaten Einsatz chemischer Mittel ab, besonders bei großen, etablierten Superkolonien, weil sich ganze Kolonien so meist nicht dauerhaft beseitigen lassen und auch andere Ameisen- und Insektenarten getroffen werden. Eine solche Bekämpfung gehört in die Hand erfahrener Schädlingsbekämpfer [1]. Wichtig vor jeder Bekämpfung: Lass einen Verdacht bestimmen, damit keine heimischen Ameisen getötet werden [1].
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Hilft Backpulver gegen Tapinoma magnum?
Im Haus kann Backpulver laut Stadt Karlsruhe lokal kurz- bis mittelfristig wirken. Gemischt mit Puderzucker trifft Natron aber nur die Arbeiterinnen, nicht die Königinnen. Die Kolonie im Boden beseitigt es nicht.
Hilft Essig gegen Tapinoma magnum?
Essigwasser im Verhältnis 1:1 stört die Duftspur der Ameisen zeitweise und vertreibt sie im besten Fall, tötet sie aber nicht. Im Haus kann Essig laut Stadt Karlsruhe lokal kurz- bis mittelfristig wirken.
Kann ich die Nester von Tapinoma magnum abflammen?
Davon rät die Stadt Wiesloch dringend ab. Die Nester lassen sich durch Abflammen nicht beseitigen, und es können schnell ungewollte Brände entstehen.
Wie wende ich Kieselgur gegen die Große Drüsenameise an?
Streue Kieselgur als Barriere an Zugängen ins Haus, um Mülltonnen oder in Hohlräume und erneuere es regelmäßig. Es wirkt nur, solange es trocken bleibt, am besten also in Räumen und überdachten Bereichen. Beachte die Herstellerangaben.
Hilft kochendes Wasser gegen Tapinoma magnum?
Zugängliche Nester im Garten kannst du mit kochendem Wasser behandeln. Pflanzen in der Nähe können dabei Schaden nehmen. Eine ganze Kolonie lässt sich damit nicht tilgen, aber regelmäßig angewendet spürbar schwächen.
Fazit
Hausmittel wie Essig und Backpulver haben bei Tapinoma magnum ihren Platz, aber einen kleinen: Im Haus können sie lokal und für eine gewisse Zeit helfen, die Kolonie im Boden erreichen sie nicht. Vom Abflammen solltest du die Finger lassen. Schütze dein Haus und deine Mülltonnen mit trockenen Kieselgur- oder Vaseline-Barrieren, behandle zugängliche Nester im Garten regelmäßig mit kochendem Wasser und schwäche die Kolonie zusätzlich, etwa mit dem Nass-Staubsauger. Bei starkem Befall stimme dich mit deinen Nachbarn und deiner Gemeinde ab und ziehe erfahrene Schädlingsbekämpfer hinzu.
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- Lexikon: Tapinoma magnum (Große Drüsenameise)
Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Quellenverzeichnis
- Stadt Karlsruhe, Gartenbauamt (Stand Dezember 2025): Invasive Ameisen – Vorbeugen, Erkennen, Bekämpfen. Information für private Eigentümer*innen (Faltblatt). (PDF/Link)
- Stadt Wiesloch (o. J.): Invasive Ameisen in Wiesloch – Informationen zur Tapinoma magnum (Flyer). (PDF/Link)
- Gemeinde Stockstadt: Bekämpfungsverfahren gegen Tapinoma magnum (Liste von Bekämpfungsmethoden). (PDF/Link)
- Stadtverwaltung Kehl (2025): Erfahrungen bei der Bekämpfung von Tapinoma magnum mit dem Heißwasserverfahren. Online-Workshop Umweltbundesamt, 26.06.2025. (PDF/Link)
- Verhaagh, M. & Höcherl, A. (2025): Tapinoma magnum. Vortrag, 9. Hessische Landesnaturschutztagung „Double trouble – Klimawandel und Neobiota“, 03.09.2025. (PDF/Link)
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