In den Medien ist von „Superameisen“ die Rede, sobald es um die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) geht. Wenn sich auf deinem Grundstück plötzlich Massen schwarzer Ameisen zeigen, Sand zwischen den Pflastersteinen hervorquillt und die Tiere bis ins Haus laufen, ist die Sorge verständlich. Doch was ist an den Warnungen dran? Beißen die Ameisen? Und welche Schäden an Pflaster, Haus und Elektrik sind tatsächlich dokumentiert?
In diesem Artikel ordnen wir die Risiken nüchtern ein und halten uns dabei an das, was Fachleute und betroffene Städte berichten. Wo die Quellen nichts sagen, sagen wir das auch.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bisse: Die Arbeiterinnen sind aggressiv und bissig. Bei Störung strömen sie in Massen heraus und beißen sich fest.
- Pflaster: Die Ameisen unterhöhlen Pflaster auf Gehwegen, Parkplätzen und Bahnsteigen. Typisches Zeichen ist Sandauswurf in den Fugen.
- Elektrik: Die Stadt Karlsruhe nennt Störungen an Elektroanlagen und Internetkabeln.
- Garten: Die Ameisen fördern Blatt-, Schild- und Wurzelläuse an Kulturpflanzen oder beschädigen Pflanzen direkt.
- Aufwand: Die Bekämpfung ist aufwändig, langwierig und kostenintensiv, der Ausgang ungewiss.
Wie gefährlich sind die Bisse von Tapinoma magnum?
Im Gegensatz zu vielen heimischen Ameisen fällt Tapinoma magnum durch ihr Verteidigungsverhalten auf. Störst du ein Nest oder trittst auf eine der breiten Ameisenstraßen, strömen zahlreiche Arbeiterinnen heraus und beißen sich fest [1]. Die Stadt Karlsruhe beschreibt die Tiere als „aggressiv und bissig“ [2].
Was die Quellen zu gesundheitlichen Folgen sagen
Die Merkblätter der Städte Karlsruhe und Wiesloch sowie der Fachvortrag von Verhaagh & Höcherl behandeln die Art als Lästling und als Problem für Pflaster, Gebäude und Gärten. Angaben zu gesundheitlichen Folgen von Bissen machen sie nicht [1][2][3]. Wir können dir deshalb weder eine Entwarnung noch eine Warnung geben, die über diese Quellen hinausgeht. Reagierst du nach Bissen ungewöhnlich stark, lass das ärztlich abklären. Das gilt besonders für Kinder und Menschen mit bekannten Allergien.
Der chemische Geruch: Sekret aus der Analdrüse
Typisch für Tapinoma magnum ist der Geruch. Werden die Ameisen zerdrückt, riechen sie auffallend nach Lösungsmittel. Beschrieben wird der Geruch als ranzige Butter, Aceton, Pfefferminz oder Zitrone [2], als chemisch-süßlich [3] oder als Glasreiniger und Kleber [1]. Er stammt aus der Analdrüse: Die Ameisen bilden dort ein Zwei-Komponenten-Gift aus Ketonen und Aldehyden, mit dem sie sich gegenüber anderen Ameisenarten durchsetzen [1]. Der Geruch ist vor allem ein gutes Erkennungsmerkmal.
Schäden an Pflastersteinen, Gehwegen und Terrassen
Tapinoma magnum bildet Superkolonien mit zum Teil tausenden Königinnen und Millionen Ameisen, die über viele Nester zusammenhängen [2]. Die Nester reichen bis etwa einen Meter tief in den Boden [1][2].
Bevorzugt werden gepflasterte Flächen mit Fugen und sandigem Unterbau, dazu Randbereiche wie Kantensteine, Pflanzsteine, Treppen und Beeteinfassungen [2]. Beim Graben tragen die Ameisen Sand und Erde nach oben. Dieser Sand- und Erdauswurf zwischen den Fugen ist oft das erste sichtbare Zeichen eines Befalls [1][2].

Achtung: unterhöhltes Pflaster
Die Stadt Karlsruhe nennt als Folge eines Befalls ausdrücklich unterhöhltes Pflaster auf Gehwegen, Parkplätzen und Bahnsteigen [2]. Wird der Unterbau ausgehöhlt, kann das Pflaster nachgeben. Prüfe Wege und Terrassen mit starkem Sandauswurf deshalb regelmäßig.
Für neue oder neu verlegte Flächen empfiehlt Karlsruhe, Wege und Pflaster auf Splitt oder Mörtel zu betten statt auf Sand [2]. Auch die Gemeinde Stockstadt rät zu möglichst grobem Splitt, weil die Ameisen darin schlechter Nester anlegen können [4].
Tapinoma magnum im Haus: Mauern, Fugen und Elektrik
Die Ameisen nisten gern in der Nähe von Mauern und dringen durch kleinste Öffnungen in Häuser ein [2]. Ihre Brut verlagern sie auf warme Flächen, etwa an Metallumrandungen, in geschützte Bereiche oder an Mülltonnen [2].
Störungen an Elektroanlagen und Internetkabeln
Die Stadt Karlsruhe führt unter den Gründen für eine Bekämpfung ausdrücklich „Störungen an Elektroanlagen und Internetkabeln“ auf [2]. Als bevorzugte Niststellen nennt sie außerdem Bauteile, an denen mit Sand aufgefüllt wurde, zum Beispiel Fallrohre und Glasfaserleitungen [2]. Wie genau es zu den Störungen kommt, beschreibt das Faltblatt nicht. Wenn du Ameisen in Verteilerkästen, Außensteckdosen oder Leerrohren findest, lass das von einer Elektrofachkraft prüfen und greife dort nicht selbst mit Wasser ein.
Schäden im Garten
Wie viele Ameisenarten nutzen auch diese Ameisen den Honigtau pflanzensaugender Insekten. Laut Karlsruhe fördert Tapinoma magnum an Kulturpflanzen schädliche Blatt-, Schild- und Wurzelläuse oder beschädigt die Pflanzen direkt durch Anbeißen und Saftaufnahme [2]. Beliebt sind Bäume und Sträucher mit Blattläusen wie Efeu, Obst und Rosen [2]. Mit ihrem Abwehrsekret setzen sich die Ameisen zudem gegen andere Ameisenarten durch [1].
Lästig ist vor allem die Menge: Die Ameisen besiedeln Gärten, Grünanlagen, Spielplätze und Friedhöfe in großer Zahl, in der Schweiz wurden sie auch auf landwirtschaftlichen Flächen nachgewiesen. Sie überstehen Frost bis unter minus zehn Grad und sind auch im Winter aktiv [1][2].
Ehrlich eingeordnet: Wie groß ist das Problem?
Die Bisse sind lästig, Hinweise auf ernste gesundheitliche Folgen finden sich in den kommunalen Quellen nicht. Das eigentliche Problem ist die schiere Masse: unterhöhltes Pflaster, Ameisen im Haus, Störungen an Elektrik und Kabeln und ein hoher Läusedruck im Garten.
Hinzu kommt der Aufwand. Verhaagh & Höcherl beschreiben die Bekämpfung als „aufwändig, langwierig, kostenintensiv – mit ungewissem Ausgang“. Kommunen sind rechtlich nicht verpflichtet, auf privaten Grundstücken gegen die Art vorzugehen, eine Zusammenarbeit privater und öffentlicher Grundbesitzer ist aber notwendig [1]. Wie teuer es werden kann, zeigt Kehl: Acht Heißschaum-Einsätze durch eine Fremdfirma kosteten dort rund 20.000 Euro bei geringem Erfolg, danach schaffte die Stadt ein eigenes Heißwassergerät für rund 50.000 Euro an [5].
Was du jetzt tun kannst
- Verdacht prüfen lassen: Lass einen Fund von Fachleuten bestimmen, damit keine heimischen Ameisen bekämpft werden. Das Forschungsprojekt der Naturkundemuseen Stuttgart und Karlsruhe nimmt Meldungen mit Fotos entgegen [2].
- Gemeinsam handeln: Eine Bekämpfung ergibt laut Karlsruhe nur Sinn, wenn alle umliegenden Grundstückseigentümer koordiniert vorgehen. Informiere auch deine Stadtverwaltung [2].
- Haus abschirmen: Verschließe Zugänge ins Haus und lege Barrieren aus Kieselgur oder Vaseline, die du regelmäßig erneuerst. Mülltonnen sicherst du mit Leimringen, Klebebändern oder Kieselgur [2].
- Zugängliche Nester: Gut erreichbare Nester kannst du mit heißem Wasser behandeln. Pflanzen in unmittelbarer Nähe können dabei Schaden nehmen [3].
- Keine Ameisengifte auf eigene Faust: Karlsruhe rät vom privaten Einsatz chemischer Mittel ab, besonders bei großen Superkolonien. Diese Bekämpfung gehört in die Hand erfahrener Schädlingsbekämpfer [2].
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sind die Bisse von Tapinoma magnum gefährlich?
Die Arbeiterinnen sind bissig und beißen sich bei Störung fest. Die Merkblätter der Städte Karlsruhe und Wiesloch beschreiben die Art als lästig und aggressiv, machen aber keine Angaben zu gesundheitlichen Folgen. Wenn du nach Bissen ungewöhnlich stark reagierst, lass dich ärztlich beraten.
Können Tapinoma magnum Ameisen die Elektrik beschädigen?
Die Stadt Karlsruhe nennt Störungen an Elektroanlagen und Internetkabeln. Die Ameisen nisten bevorzugt in Bauteilen, an denen mit Sand aufgefüllt wurde, etwa an Fallrohren oder Glasfaserleitungen. Ameisen in elektrischen Anlagen sollte eine Elektrofachkraft prüfen.
Warum sacken Pflastersteine durch die Ameisen ab?
Die Ameisen legen ihre Nester bevorzugt im sandigen Unterbau von Pflasterflächen an und tragen dabei Sand an die Oberfläche. So unterhöhlen sie das Pflaster auf Gehwegen, Parkplätzen und Terrassen.
Muss die Gemeinde auf meinem Grundstück bekämpfen?
Nein. Kommunen sind rechtlich nicht verpflichtet, auf privaten Grundstücken gegen die Art vorzugehen. Fachleute halten aber eine Zusammenarbeit von privaten und öffentlichen Grundbesitzern für notwendig. Sprich deshalb mit deinen Nachbarn und informiere deine Stadtverwaltung.
Warum riechen diese Ameisen so chemisch?
Der Geruch stammt aus der Analdrüse. Die Ameisen bilden dort ein Sekret aus Ketonen und Aldehyden. Zerdrückt riechen sie nach Lösungsmittel, Aceton, ranziger Butter oder Glasreiniger.
Fazit
Tapinoma magnum ist vor allem ein Lästling mit erheblichem Schadenspotenzial für Pflaster, Gebäude, Elektrik und Garten. Zu den Bissen gibt es in den kommunalen Quellen keine Hinweise auf ernste gesundheitliche Folgen, lästig und schmerzhaft sind sie trotzdem. Wenn du einen Befall vermutest, lass ihn bestimmen, sichere dein Haus mit Barrieren und stimme dich mit Nachbarn und Gemeinde ab. Denn eine Superkolonie macht nicht an der Grundstücksgrenze halt.
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- Lexikon: Tapinoma magnum (Große Drüsenameise)
Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
Quellenverzeichnis
- Verhaagh, M. & Höcherl, A. (2025): Tapinoma magnum. Vortrag, 9. Hessische Landesnaturschutztagung „Double trouble – Klimawandel und Neobiota“, 03.09.2025. (PDF/Link)
- Stadt Karlsruhe, Gartenbauamt (Stand Dezember 2025): Invasive Ameisen – Vorbeugen, Erkennen, Bekämpfen. Information für private Eigentümer*innen (Faltblatt). (PDF/Link)
- Stadt Wiesloch (o. J.): Invasive Ameisen in Wiesloch – Informationen zur Tapinoma magnum (Flyer). (PDF/Link)
- Gemeinde Stockstadt: Bekämpfungsverfahren gegen Tapinoma magnum (Liste von Bekämpfungsmethoden). (PDF/Link)
- Stadtverwaltung Kehl (2025): Erfahrungen bei der Bekämpfung von Tapinoma magnum mit dem Heißwasserverfahren. Online-Workshop Umweltbundesamt, 26.06.2025. (PDF/Link)
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