„Mordwespe“, „Mörderhornisse“, „Riesenhornisse“: Sobald in Deutschland eine Asiatische Hornisse gesichtet wird, tauchen diese Begriffe auf. Dabei werden zwei ganz verschiedene Arten verwechselt. Die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia) ist die größte Hornissenart der Welt und kommt in Deutschland nicht vor [1]. Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist deutlich kleiner und breitet sich seit 2014 bei uns aus [2]. Hier erfährst du, was die Riesenhornisse ausmacht, woran du die beiden Arten unterscheidest und warum die Schlagzeilen über „Killerhornissen“ in Deutschland in die Irre führen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zwei verschiedene Arten: Die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia) und die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) sind nicht dieselbe Art.
- Riesenhornisse nicht in Deutschland: Laut LAVES Niedersachsen und Kreis Heinsberg kommt die Riesenhornisse in Deutschland bzw. in Europa bislang nicht vor.
- Größe: Die Riesenhornisse wird bis zu etwa 5 bis 5,5 cm groß. Arbeiterinnen der Asiatischen Hornisse messen 15 bis 24 mm, Königinnen bis 30 mm.
- „Mörderhornisse“ ist ein Medienbegriff: Der Name stammt aus Berichten über Funde in Nordamerika. Gefährlich ist auch der Stich der Riesenhornisse laut ADAC vor allem für Allergiker.
- Gesichtet in Deutschland? Dann handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Asiatische Hornisse oder die heimische Europäische Hornisse.
Was ist die Asiatische Riesenhornisse?
Die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia) ist in Ost- und Südostasien heimisch [3]. Sie gilt als größte Hornissenart der Welt [1] und kann bis zu 55 mm groß werden [2]. Der ADAC nennt eine Größe von bis zu fünf Zentimetern [3].
Stachel und Gift
Bei Bedrohung wehrt sich die Riesenhornisse mit einem etwa sechs Millimeter langen Stachel. Ihr Gift ist laut ADAC stärker als das von Bienen oder Wespen, aber lediglich für Allergiker gefährlich [3]. Diese Angaben beziehen sich ausdrücklich auf die Riesenhornisse, nicht auf die Asiatische Hornisse, die sich in Deutschland ausbreitet.
Wovon ernährt sich die Riesenhornisse?
Ihre Hauptbeute sind Käfer, deren Panzer sie mit ihrer kräftigen Kiefermuskulatur knackt. Werden Käfer im Spätsommer knapp, jagt sie vermehrt kleinere Wespen- und Hornissenarten, aber auch Honigbienen [2]. Typisch sind dann koordinierte Massenangriffe: Eine Späherin markiert ein geeignetes Bienennest mit einem Duftstoff, der weitere Riesenhornissen anlockt. Solchen Angriffen können ganze Bienenvölker zum Opfer fallen [2].
Die in Asien heimische Östliche Honigbiene (Apis cerana) hat im Gegensatz zu unserer Westlichen Honigbiene eine Abwehrtaktik entwickelt, die sogenannte Hitzekugel. Damit schaltet sie bereits die Späherin aus, bevor diese das Nest markieren kann [2].
Was war in Nordamerika los?
Die Riesenhornisse wurde nach Angaben des Kreises Heinsberg vermutlich 2019 nach Nordamerika eingeschleppt [2], Sichtungen gab es in Kanada und den USA [3]. Die Funde lösten Medienberichte über eine „murder hornet“ aus. Das LAVES Niedersachsen hält diese Bezeichnung für fragwürdig [1]. Ende 2024 haben US-Behörden die Riesenhornisse in den USA laut Medienberichten für ausgerottet erklärt.
Riesenhornisse vs. Asiatische Hornisse: die Unterschiede
Die Verwechslung hat einen einfachen Grund: Beide tragen „asiatisch“ im Namen. Die Tabelle zeigt, was die drei Hornissenarten unterscheidet, die in diesem Zusammenhang immer wieder genannt werden.
| Merkmal | Asiatische Riesenhornisse Vespa mandarinia |
Asiatische Hornisse Vespa velutina |
Europäische Hornisse Vespa crabro |
|---|---|---|---|
| Größe | bis ca. 55 mm [2] | Arbeiterinnen 15–24 mm, Königinnen bis 30 mm [4] | Arbeiterinnen 18–25 mm, Königinnen 25–35 mm [4] |
| Vorkommen | Ost- und Südostasien; nicht in Deutschland [1] [3] | aus Südostasien; seit 2004 in Europa, seit 2014 in Deutschland [2] | einzige in Europa heimische Hornissenart [2] |
| Aussehen | größte Hornissenart der Welt [1] | deutlich dunkler, braunschwarze Brust, gelb-orange Färbung am Hinterleibsende [4], gelbe Beine („Gelbfuß-Hornisse“) [1] | gelb-schwarz gemusterter Hinterleib, rotbraune Zeichnung [1] [4] |
| Beute | vor allem Käfer; im Spätsommer auch Wespen, Hornissen und Honigbienen [2] | je nach Verfügbarkeit gezielt Honigbienen [2] | zu rund 90 % Fliegen, auch Wespen, selten Bienen [2] |
| Status in Deutschland | kommt nicht vor [1] | EU-weit als invasive Art eingestuft [4] | besonders geschützt [2] |

Gelbe Beine, dunkler Körper, etwas kleiner als die heimische Hornisse: Wenn dir in Deutschland eine solche Hornisse begegnet, ist es mit großer Wahrscheinlichkeit die Asiatische Hornisse. Wie du sie sicher erkennst und wo du sie meldest, erklären wir im Ratgeber Asiatische Hornisse erkennen und melden. Wo sie in Deutschland bereits vorkommt, liest du im Artikel Asiatische Hornisse in Deutschland: Verbreitung.
Wie gefährlich ist die Asiatische Hornisse im Vergleich?
Die Asiatische Hornisse ist von Natur aus friedfertig und greift Menschen nicht grundlos an. Hornissen stechen allenfalls zur Verteidigung ihres Nestes [1]. Ihre Stiche sind laut LAVES genauso schmerzhaft wie die von Honigbienen, heimischen Hornissen und Wespen. Eine ernsthafte Gefahr besteht vor allem für Menschen, die allergisch auf Insektengift reagieren [1] [3]. Was nach einem Stich zu tun ist, liest du in unserem Artikel Stich der Asiatischen Hornisse.
Ein echtes Problem ist die Asiatische Hornisse für Imkerinnen und Imker, weil sie gezielt Honigbienen jagt und die Abwehr unserer Honigbiene nur schwach ausgeprägt ist [2]. Wie du deine Völker schützt, erfährst du im Ratgeber Asiatische Hornisse am Bienenstand.
Was tun, wenn du eine große Hornisse siehst?
Schritt für Schritt
- Ruhe bewahren: Hornissen greifen nicht grundlos an. Halte mehrere Meter Abstand zum Nest und erschüttere es nicht [1].
- Foto machen: Ein Foto aus sicherer Entfernung hilft, die Art zu bestimmen.
- Art prüfen: Gelbe Beine und ein dunkler Körper deuten auf die Asiatische Hornisse hin. Die heimische Europäische Hornisse ist besonders geschützt und darf nicht bekämpft werden [2].
- Melden: Sichtungen der Asiatischen Hornisse meldest du bei der Meldestelle deines Bundeslandes.
- Nest nicht selbst entfernen: Wenn du ein Nest gefunden hast, lies in unserem Ratgeber Nest der Asiatischen Hornisse gefunden, wer zuständig ist.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Gibt es die Asiatische Riesenhornisse in Deutschland?
Nein. Laut LAVES Niedersachsen kommt die Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia) nicht in Deutschland vor, laut Kreis Heinsberg bislang auch nicht in Europa. In Deutschland breitet sich die kleinere Asiatische Hornisse (Vespa velutina) aus.
Ist die „Mordwespe“ dasselbe wie die Asiatische Hornisse?
Nein. Begriffe wie „Mörderhornisse“ oder „murder hornet“ wurden in Medien für die Asiatische Riesenhornisse verwendet. Die in Deutschland vorkommende Asiatische Hornisse ist eine andere, deutlich kleinere Art.
Wie groß wird die Asiatische Riesenhornisse?
Je nach Quelle bis zu etwa fünf Zentimeter (ADAC) bzw. 55 mm (Kreis Heinsberg). Arbeiterinnen der Asiatischen Hornisse messen dagegen 15 bis 24 mm, Königinnen bis 30 mm.
Ist der Stich der Riesenhornisse tödlich?
Laut ADAC ist ihr Gift stärker als das von Bienen oder Wespen, aber lediglich für Allergiker gefährlich. Wer allergisch auf Insektenstiche reagiert, sollte nach einem Stich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen und im Ernstfall den Notruf 112 wählen.
Woran erkenne ich die Asiatische Hornisse?
Sie ist etwas kleiner als die heimische Hornisse, deutlich dunkler gefärbt, hat eine braunschwarze Brust, eine gelb-orange Färbung am Hinterleibsende und gelbe Beine.
Fazit
Die Asiatische Riesenhornisse ist eine beeindruckende Art, aber in Deutschland kommt sie nicht vor. Wenn hierzulande von einer „Asiatischen Hornisse“ die Rede ist, geht es um Vespa velutina: kleiner, dunkler, mit gelben Beinen, für Menschen in der Regel friedlich und vor allem für Bienenvölker ein Problem. Für dich heißt das: Ruhe bewahren, Abstand halten, Sichtungen melden und Nester nicht selbst anfassen.
Quellenverzeichnis
- Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), Institut für Bienenkunde Celle: Merkblatt „Asiatische Hornisse“.
- Kreis Heinsberg: Faltblatt „Hornissen – heimische & invasive Arten“.
- ADAC: Eine Asiatische Hornisse erkennen und richtig reagieren.
- Fachliteratur Schädlingsbekämpfung (Behr's Verlag), Kapitel „Hornissen (Vespa)“ und Steckbrief „Hornisse (Vespa crabro)“.
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