Fakten (kompakt)
- Die Art wird taxonomisch der Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales) zugeordnet. - Die Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae), zu der *Rheum rhabarbarum* gehört, umfasst weltweit etwa 50 Gattungen mit über 1.200 Arten. - Die Gattung *Rheum* selbst besteht aus rund 60 bis 70 Arten, die primär im gemäßigten und subtropischen Asien beheimatet sind. - Der häufig kultivierte Garten-Rhabarber wird oft als *Rheum* × *hybridum* Murray klassifiziert, eine künstliche Hybride, die primär aus der Kreuzung von *Rheum palmatum* und *Rheum rhaponticum* hervorging.[9] - Historische Literatur verwendete teilweise die varietäre Bezeichnung *Rheum rhaponticum* var. *rhabarbarum* (L.) Babel, was auf taxonomische Unsicherheiten bei der Unterscheidung von Wild- und Kulturformen hindeutet. - Die Pflanze bildet hohe Blütenstängel aus, die kleine, grünlich-weiße Blüten tragen.[9] - Die essbaren Blattstiele können eine Länge von bis zu 18 Zoll (ca. 45 cm) erreichen.[9] - Bereits Plinius der Ältere beschrieb um 77 n. Chr. in seiner *Naturalis historia* die abführenden Eigenschaften der Wurzel unter dem Namen *rha*. - Vor der kulinarischen Nutzung im Westen wurden *Rheum*-Arten im antiken China bereits seit Jahrtausenden für medizinische Zwecke kultiviert.[9]
Die wissenschaftliche Erstbeschreibung von *Rheum rhabarbarum* erfolgte im Jahr 1753 durch Carl von Linné in dessen fundamentalem Werk *Species Plantarum*.[1] Der Gattungsname *Rheum* leitet sich etymologisch vom griechischen Begriff *rheuma* („das Fließende“) ab, was auf die abführende Wirkung der Pflanze verweist, die bereits Dioskurides beschrieb. Das Art-Epitheton *rhabarbarum* entstammt dem Mittellateinischen *rha barbarum* („fremder Rhabarber“) und bezeichnete ursprünglich Ware, die von jenseits der Wolga (antik: Rha) aus „barbarischen“ Gebieten importiert wurde. Im deutschen Sprachraum wird die Art als Rhabarber oder Gemüse-Rhabarber bezeichnet.[2] International ist im Englischen der Name „garden rhubarb“ geläufig, wobei sich im 19. Jahrhundert in Nordamerika aufgrund der kulinarischen Nutzung auch der Trivialname „pie plant“ etablierte.[3] Der Begriff selbst entwickelte sich über das altfranzösische *rubarbe* aus dem lateinischen *rheubarbarum*, was den historischen Handelsweg über Asien widerspiegelt. Ein relevantes Synonym ist *Rheum undulatum* L., welches auf frühere nomenklatorische Unklarheiten zurückgeht.[1] In der gartenbaulichen Praxis werden kultivierte Formen oft als *Rheum* × *hybridum* Murray geführt, da es sich häufig um komplexe Hybriden (z. B. mit *R. palmatum*) handelt.[3] Historisch wurde zudem oft fälschlicherweise der Name *Rheum rhaponticum* L. auf diese Art angewendet, obwohl dieser eine eigenständige europäische Spezies beschreibt.[3] Moderne botanische Autoritäten erkennen *R. rhabarbarum* jedoch als valide Wildart an, die ursprünglich in Sibirien und Nordchina beheimatet ist.[1]
*Rheum rhabarbarum* ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 1 bis 2 Metern erreicht und horstartige Bestände aus einer zentralen Krone bildet. Sie entspringt dicken, fleischigen Rhizomen, die außen rotbraun und im Inneren gelb gefärbt sind und als Nährstoffspeicher dienen. Die grundständigen Blätter sind groß, dreieckig-eiförmig bis breit herzförmig und messen 12 bis 60 cm in der Länge sowie 10 bis 30 cm in der Breite. Der Blattrand ist ganzrandig oder leicht gewellt, während die Blattspreite meist kahl oder entlang der Adern auf der Unterseite spärlich behaart ist. Charakteristisch sind die dicken, hohlen Blattstiele (Petiolen), die 20 bis 45 cm lang werden und je nach Sorte eine rötliche, grünliche oder gesprenkelte Färbung aufweisen. Der Blütenstand erhebt sich an einem kräftigen, hohlen Stängel als große, endständige Rispe von bis zu 100 cm Höhe. Die zahlreichen, grünlich-weißen bis gelblichen Blüten sind klein (2–4 mm Durchmesser) und in Büscheln angeordnet. Jede Blüte besitzt sechs Tepalen, wobei die äußeren drei kleiner als die inneren sind, sowie neun Staubblätter und drei Griffel. Die Art ist diözisch, wobei männliche Pflanzen oft größere Blütenstände ohne lebensfähige Samen bilden, während weibliche Pflanzen nach der Bestäubung Samen ansetzen.[3] Die Früchte entwickeln sich als 6 bis 12 mm lange, dreiflügelige Achänen, die trocken und dreiseitig geformt sind.[3][4] Im Gegensatz zum verwandten *Rheum rhaponticum* besitzt *R. rhabarbarum* breitere, herzförmige Blätter und einen kräftigeren Wuchs, während *R. rhaponticum* kompakter bleibt und schmalere Blätter aufweist.[3] Von *Rheum palmatum* unterscheidet sich die Art deutlich durch die Blattform, da *R. palmatum* tief gelappte, handförmige Blätter besitzt, die über 75 cm lang werden können.[3] *Rheum ribes* lässt sich durch warzige Blattoberflächen und essbare rote Früchte abgrenzen, wohingegen die Früchte von *R. rhabarbarum* trocken und ungenießbar sind. Verwechslungsgefahr besteht zudem mit Hybriden wie *Rheum* × *hybridum*, die oft intermediäre Merkmale zwischen Wildformen und kultivierten Sorten zeigen.[3]
Obwohl *Rheum rhabarbarum* primär als Nutzpflanze kultiviert wird, besitzen die Blätter durch hohe Gehalte an Oxalsäure und Anthrachinonglykosiden eine signifikante Toxizität für Menschen und Weidetiere.[3] Der Verzehr der Blattmasse kann zu Übelkeit, Krämpfen und in schweren Fällen zu Nierenversagen führen, während auch die essbaren Stiele bei Nierenkranken aufgrund von Oxalatkristallen das Risiko für Nierensteine erhöhen können.[3][8] Phytopathologisch stellt die Kronenfäule, verursacht durch *Phytophthora*-Arten, das größte Schadpotenzial dar, da sie in feuchten Böden zu Wurzelverfall und dem Absterben der Pflanze führt. Als tierische Schädlinge treten Blattläuse wie *Myzus persicae* auf, die Pflanzensaft saugen und potenziell Viren übertragen. Zur Prävention von Fäulnis ist eine Standortwahl mit exzellenter Bodendrainage essenziell, da Staunässe die Ausbreitung von Oomyceten begünstigt. Im Bestandsmanagement wird das frühzeitige Entfernen von Blütenstielen empfohlen, um Nährstoffverluste zu vermeiden und den vegetativen Ertrag zu sichern.[3] Bemerkenswert ist die Nutzung von *R. rhabarbarum* als Wirkstoffquelle im biologischen Pflanzenschutz: Die pflanzeneigenen Anthrachinone wie Emodin wirken insektizid und antifungal.[3] Patentierte Verfahren nutzen Extrakte aus *R. rhabarbarum* zur Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten wie Gurkenmehltau und Reisscheidenfäule. Neuere Entwicklungen kombinieren diese Extrakte mit Chelatbildnern, um die Sterilisationswirkung gegen Pathogene im Ackerbau zu verlängern. Zudem finden Rhabarber-Zubereitungen Anwendung als biologische Alternative zu synthetischen Fungiziden bei der Saatgutbehandlung.[4] Invasionsbiologisch zeigt die Art ein geringes Risiko, da sie selten dichte Monokulturen außerhalb von Gärten bildet, kann jedoch an gestörten Standorten persistieren.[3]