Fakten (kompakt)
- Systematisch wird die Art innerhalb der Abteilung der Gefäßpflanzen (Tracheophyta) der Klasse der Zweikeimblättrigen (Magnoliopsida) zugeordnet.[3] - In vergleichenden Studien zur Wirtspflanzenwahl zeigte sich, dass *Passiflora vitifolia* spezifisch von *Dione juno* und *Heliconius hecale* präferiert wird, während verwandte Schmetterlingsarten wie *Heliconius doris* oder *Heliconius sara* andere Passionsblumenarten (*Passiflora ambigua* bzw. *Passiflora auriculata*) bevorzugen. - Für wissenschaftliche Untersuchungen zur molekularen Evolution des Sozialverhaltens bei Heliconiini-Larven diente die Pflanze als primäre Nahrungsquelle in Zuchtexperimenten am Smithsonian Tropical Research Institute in Panama. - Feldbeobachtungen bestätigten, dass *Dione juno* opportunistisch Gelege auf *Passiflora vitifolia* in Außenbeständen platziert, wobei die daraus schlüpfenden Larven ein gregäres (geselliges) Verhalten auf der Pflanze zeigen.[2]
Die Pflanzenart trägt den wissenschaftlichen Namen *Passiflora vitifolia*, wobei die Erstbeschreibung dem Botaniker Kunth zugeschrieben wird.[4][3] Das Art-Epitheton *vitifolia* ist lateinischen Ursprungs und setzt sich aus den Begriffen *vitis* (Wein) sowie *folium* (Blatt) zusammen. Diese etymologische Herleitung verweist auf die Form der Laubblätter, die an Weinlaub erinnern. Systematisch wird die Spezies in die Gattung der Passionsblumen (*Passiflora*) eingeordnet, welche die größte Gattung innerhalb der Familie der Passionsblumengewächse (Passifloraceae) darstellt.[4] Innerhalb der Systematik gehört sie ferner zur Unterfamilie Passifloroideae sowie zur Ordnung der Malpighienartigen (Malpighiales).[4][3]
Passiflora vitifolia wächst als mehrjährige und immergrüne Kletterpflanze. Die wechselständigen, dunkelgrünen Laubblätter sind dreilappig und erreichen eine Länge von 5 bis 18 cm. Ihre Form erinnert an Weinlaub, wobei die Basis leicht herzförmig oder gestutzt ist. Die Blattspreiten sind spitz bis zugespitzt und am Rand grob gekerbt bis gesägt. Während die Blattoberseiten fein borstig beschaffen sind, weisen die Blattunterseiten eine weiche, bräunliche Behaarung auf. Auch die Triebe und Ranken sind mit diesen weichen, bräunlichen Haaren bedeckt. Die auffälligen, leuchtend roten Blüten stehen einzeln in den Blattachseln und erreichen einen Durchmesser von bis zu 16 cm. Die doppelte Blütenhülle setzt sich aus fünf Kelch- und fünf Kronblättern zusammen. Dabei sind die Petalen kürzer als die bis zu 8 cm langen, kronblattartigen Sepalen. Ein charakteristisches Merkmal ist der ringförmig angeordnete Strahlenkranz (Nebenkrone), dessen äußere Reihe rot und die beiden inneren Reihen weiß gefärbt sind. In der Blütenmitte befinden sich die Fortpflanzungsorgane, bestehend aus fünf Staubgefäßen und drei Narben, die auf einem weit über die Blütenhülle hinausragenden Androgynophore zusammengefasst sind. Die aromatischen Früchte sind eiförmige bis ellipsoide Beeren, die 5 bis 7 cm lang werden. Sie sind grün mit weißen Sprenkeln, fein behaart und enthalten viele Samen, die von einem Arillus umhüllt sind.[4]
Die Art *Passiflora vitifolia* besitzt eine wirtschaftliche Bedeutung als Zierpflanze sowie als Nutzpflanze aufgrund ihrer essbaren Früchte. Die aromatischen, eiförmigen Beeren, die eine Länge von 5 bis 7 cm erreichen, werden beispielsweise auf den Westindischen Inseln kultiviert und konsumiert.[1] Aus ökologischer Sicht fungiert die Pflanze als essenzielle Wirtspflanze für die Larvenentwicklung verschiedener Schmetterlinge aus der Tribus Heliconiini. Spezifisch nutzen die Arten *Heliconius hecale* und *Dione juno* *Passiflora vitifolia* als bevorzugte Futterpflanze. Ein erhebliches Schadpotenzial für die Pflanze geht dabei von den Larven von *Dione juno* aus, die ein ausgeprägtes gregäres (geselliges) Verhalten zeigen. Dieses Gruppenverhalten führt dazu, dass die Larven gemeinsam fressen, was zu einer kollektiven Entlaubung (Defoliation) der Wirtspflanze führen kann. Der Fraßdruck durch solche Herbivoren stellt einen starken Selektionsfaktor dar, auf den Pflanzen oft mit der Entwicklung von Abwehrmechanismen reagieren.[7] Für die Fruchtbildung und den Erhalt der Populationen ist in der Natur die Bestäubung durch Kolibris der Gattung *Phaethornis* notwendig.[1]