Fakten (kompakt)
- Die Blüten sind zwittrig (bisexuell) angelegt, besitzen fünf Blütenblätter und weisen einen Durchmesser von etwa 5 mm auf. - Die Verbreitung der Samen erfolgt primär durch Vögel, welche die Früchte fressen und die Samen ausscheiden. - Für den Menschen sind die Beeren giftig und der Kontakt mit der Pflanze kann schwere Hautreizungen hervorrufen. - Die Kältetoleranz der Art reicht bis zur USDA-Klimazone 4. - Ein Merkmal der Jugendphase ist die horizontale Ausrichtung der Blätter, die an bis zu 50 mm langen Blattstielen sitzen. - Im Gegensatz dazu zeigen die Blätter der Altersform nach oben und besitzen eine prominente Aderung. - Die Blütenstände befinden sich an 30 bis 50 mm langen Stielen (Pedunkel). - In den Früchten entwickeln sich jeweils zwei bis fünf Samen, die eine Länge von bis zu 5 mm erreichen.[11]
Die Art *Hedera helix* L. wird systematisch der Familie der Araliaceae (Efeugewächse) zugeordnet.[1][2] Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte im Jahr 1753 durch Carl von Linné in dessen Werk *Species Plantarum*, womit die Art formal in die moderne Taxonomie eingeführt wurde.[2] Der Gattungsname *Hedera* entspricht der klassischen lateinischen Bezeichnung für Efeu, die bereits Plinius der Ältere in seiner *Naturalis historia* (ca. 77–79 n. Chr.) verwendete und mit dem Weingott Bacchus assoziierte.[4][5] Das Artepitheton *helix* leitet sich vom griechischen Wort für „Spirale“ oder „Windung“ ab und bezieht sich auf den windenden Wuchs der Kletterpflanze.[2] Im deutschen Sprachraum ist der Trivialname „Efeu“ gebräuchlich, während die Pflanze international oft als „English ivy“ (englisch) oder „lierre“ (französisch) bezeichnet wird. Der englische Begriff „ivy“ geht dabei auf das altenglische Wort „ifig“ zurück.[1] Innerhalb der Art werden drei Unterarten unterschieden: die weit verbreitete Nominatform *H. helix* subsp. *helix*, die im Mittelmeerraum vorkommende *H. helix* subsp. *poetarum* (mit gelben Früchten) sowie *H. helix* subsp. *rhizomatifera*. Letztere zeichnet sich durch rhizomartiges Wachstum aus und wird in einigen taxonomischen Betrachtungen als eigenständige Art *Hedera rhizomatifera* diskutiert. Hybridisierungen sind innerhalb der Gattung möglich, etwa mit *Hedera hibernica*, sowie als intergenerische Kreuzung ×*Fatshedera lizei*.[2]
Hedera helix ist eine immergrüne, verholzende Kletterpflanze, die mit Unterstützung Wuchshöhen von bis zu 30 Metern erreichen kann.[3][1] Charakteristisch ist der ausgeprägte Dimorphismus mit zwei morphologisch unterschiedlichen Lebensphasen, die sich in Blatt- und Sprossaufbau differenzieren.[1][8] In der sterilen Jugendphase bildet die Pflanze schlanke, grüne bis violette Triebe mit einem Durchmesser von bis zu 5 mm aus, die über adventive Haftwurzeln verfügen.[8] Diese Wurzeln sezernieren ein Nanokomposit aus Polysacchariden und Proteinen, das über kugelförmige Nanopartikel eine starke Haftung auf vertikalen Substraten ermöglicht.[4] Die wechselständigen Laubblätter dieser Phase sind dunkelgrün, glänzend und handförmig in drei bis fünf flache Lappen geteilt, wobei sie Längen und Breiten von 50 bis 100 mm erreichen.[3][8] Sobald die Pflanze ausreichend Licht oder Höhe gewinnt, erfolgt der Übergang zur fertilen Altersform, deren Sprosse keine Haftwurzeln mehr ausbilden.[8] Die Blätter der Adultphase sind ungelappt, herz- bis eiförmig oder rautenförmig, weisen einen glatten Rand auf und sind oft nach oben gerichtet. Die kleinen, zwittrigen Blüten stehen in endständigen Dolden, messen etwa 5 mm im Durchmesser und besitzen fünf grünlich-gelbe Kronblätter.[3][8] Aus ihnen entwickeln sich beerenartige Steinfrüchte mit einem Durchmesser von 6 bis 8 mm, die meist schwarz abreifen und ein bis fünf Samen enthalten.[8][1] Eine Ausnahme bildet die Unterart H. helix subsp. poetarum, die durch gelbe Früchte gekennzeichnet ist, während H. helix subsp. rhizomatifera unterirdische Rhizome ausbildet. Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit der nah verwandten Art Hedera hibernica, wobei in Überlappungsgebieten Hybriden mit intermediären Merkmalen auftreten können.[2]
Während *Hedera helix* im nativen Verbreitungsgebiet ökologische Funktionen erfüllt, wird die Art in Regionen wie Nordamerika und Australien als invasiver Schädling klassifiziert, der die Biodiversität bedroht.[1][9] Das Schadpotenzial resultiert aus der Bildung dichter Matten, die heimische Bodenvegetation verdrängen, sowie dem Überwachsen von Bäumen, was durch Lichtentzug und zusätzliches Gewicht die Windwurfgefahr erhöht.[1][10] An Gebäudestrukturen können die Haftwurzeln in Risse eindringen und Schäden am Mauerwerk verursachen, wenngleich sie auch isolierende Eigenschaften besitzen.[10][4] Medizinisch ist die Pflanze ambivalent: Sie enthält toxische Saponine und Falcarinol, die Kontaktallergien und bei Verzehr gastrointestinale Beschwerden auslösen, dient aber auch als Rohstoff für evidenzbasierte Hustenpräparate.[4][1] Neuere Patentanmeldungen beschreiben zudem die Nutzung extrahierter Triterpenoide zur potenziellen Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen.[10] Als Wirtspflanze kann *Hedera helix* selbst von Spinnmilben, Schildläusen oder der bakteriellen Blattfleckenkrankheit (*Xanthomonas campestris*) befallen werden, was regelmäßiges Monitoring erfordert. Zur Prävention der Ausbreitung haben Gebiete wie der US-Bundesstaat Washington Verkaufsverbote erlassen, da die Art als 'noxious weed' gelistet ist. Physikalische Bekämpfungsmaßnahmen umfassen das manuelle Ausreißen sowie das Durchtrennen der Klettertriebe an der Basis (Kappen), gefolgt von der Entfernung der Wurzeln.[4] Im Rahmen des integrierten Schädlingsmanagements (IPM) hat sich die Beweidung durch Ziegen bewährt, um die Biomasse initial um 50 bis 70 % zu reduzieren. Chemische Bekämpfung erfolgt effektiv durch den gezielten Auftrag von Herbiziden wie Glyphosat oder Triclopyr auf die frischen Schnittflächen der Stängel. Da bereits kleine Sprossteile neu wurzeln können, ist eine sorgfältige Entsorgung des Pflanzenmaterials zwingend erforderlich, um eine Re-Invasion zu verhindern.[1]