Fakten (kompakt)
- **Monogynie**: Die Kolonien von *Lasius brunneus* sind streng monogyn, was bedeutet, dass in einem Nest stets nur eine einzige begattete Königin toleriert wird. - **Populationsgröße**: Ausgewachsene Völker erreichen in der Regel eine Individuenzahl von 3.000 bis maximal 10.000 Arbeiterinnen, bleiben damit aber oft kleiner als Kolonien der Schwarzen Wegameise.[17] - **Spezifische Symbiose**: Es besteht eine besonders enge trophobiotische Beziehung zu Rindenläusen der Gattung *Stomaphis* (z. B. *Stomaphis quercus*), die von den Ameisen auch in den Wurzelbereich der Bäume transportiert werden. - **Schutzbauten**: Um ihre Laufstraßen und die Rindenlaus-Kolonien auf der Baumoberfläche zu schützen, errichtet die Art häufig tunnelartige Abdeckungen aus zerkauten Holzpartikeln und Detritus (Kartonbauten).[18] - **Überwinterung**: Die Art hält eine obligatorische Winterruhe, während der die Königin die Eiablage vollständig einstellt und keine Brutaufzucht stattfindet; die Kolonie überwintert ausschließlich mit Larven im Ruhestadium.[17] - **Lebenserwartung**: Königinnen der Braunen Wegameise sind ausgesprochen langlebig und können ein Alter von über 15 Jahren erreichen.[5]
Die Art trägt den wissenschaftlichen Namen *Lasius brunneus* und wurde im Jahr 1798 von dem Entomologen Pierre André Latreille erstbeschrieben. Ursprünglich ordnete Latreille die Spezies unter dem Protonym *Formica brunnea* ein.[1] Zu den historischen Synonymen zählen unter anderem *Formica timida* (Förster, 1850) sowie *Lasius niger* var. *alieno-brunneus* (Forel, 1874).[1] Eine weitere in der Literatur verzeichnete Kombination ist *Acanthomyops brunneus* var. *nigro-brunneus*, die von Donisthorpe 1926 beschrieben wurde. Innerhalb der Gattung der Wegameisen (*Lasius*) wird die Art der Untergattung *Lasius* sensu stricto zugeordnet und definiert die *Lasius brunneus*-Artengruppe. Diese taxonomische Gruppe umfasst neben *Lasius brunneus* auch die europäischen Arten *Lasius neglectus*, *Lasius turcicus*, *Lasius lasioides* und *Lasius austriacus*.[1] Vorkommen im westlichen Himalaya wurden historisch als Unterart *Lasius brunneus* subsp. *himalayanus* (Forel, 1917) gefasst, was jedoch von vielen Taxonomen heute nicht mehr als gerechtfertigt angesehen wird. Im deutschsprachigen Raum ist der Trivialname Braune Wegameise etabliert. Ökologisch ist die Art als baumbewohnend charakterisiert und gilt neben der Glänzendschwarzen Holzameise (*Lasius fuliginosus*) als die häufigste an Holz lebende Art ihrer Gattung in Mitteleuropa.[1] Paläoökologische Untersuchungen legen nahe, dass die *brunneus*-Gruppe zusammen mit der *niger*-Gruppe in Mitteleuropa die Nische der Gattung *Liometopum* besetzte, nachdem diese dort vermutlich durch pleistozäne Vereisungen verdrängt wurde.[2]
Arbeiterinnen von *Lasius brunneus* erreichen eine Körpergröße von 2,5 bis 4 mm, während die Männchen 4 bis 5 mm messen. Die Königinnen werden mit einer Länge von 6,5 bis 8,5 mm etwa doppelt so groß wie die Arbeiterinnen. Die Art ist markant zweifarbig, wobei Kopf und freier Hinterleib (Gaster) der Arbeiterinnen dunkel gefärbt sind. Der Rumpfabschnitt (Mesosoma), das Stielchen (Petiolus) und die Extremitäten erscheinen hingegen gelblich-braun, braungrau oder leicht rötlich. Ein wesentliches Bestimmungsmerkmal ist die glatte, schwach glänzende Oberflächenskulptur in Verbindung mit einer anliegenden Behaarung. Auf den Extremitäten fehlen abstehende Haare (Setae) vollständig. Der Thorax der Königin ist im Vergleich zu anderen Ameisen-Arten, wie beispielsweise der Schwarzen Wegameise (*Lasius niger*), relativ flach gebaut. Eine Verwechslung ist mit der Zweifarbigen Hausameise (*Lasius emarginatus*) möglich, die jedoch einen schlankeren Körperbau aufweist.[3]
Die Braune Wegameise (*Lasius brunneus*) ist eine zur Unterfamilie der Schuppenameisen (Formicinae) zählende Art, die sich primär durch ihre arboricole (baumbewohnende) Lebensweise auszeichnet. Im natürlichen Habitat fällt die Art durch eine markante Zweifarbigkeit der Arbeiterinnen auf: Während Kopf und der freie Hinterleib (Gaster) dunkel gefärbt sind, erscheinen das Mesosoma (Rumpfabschnitt), das Stielchen (Petiolus) sowie die Extremitäten in einem gelblich-braunen bis rötlichen Ton. Ein wesentliches mikroskopisches Bestimmungsmerkmal ist die Behaarung; die Art weist zwar eine anliegende Behaarung auf, jedoch fehlen abstehende Haare (Setae) auf den Extremitäten vollständig. Die Oberflächenskulptur des Exoskeletts ist glatt und schwach glänzend. Hinsichtlich des Körperbaus zeigen sich deutliche Kastenunterschiede: Arbeiterinnen erreichen eine Körperlänge von 2,5 bis 4 mm, während die Königinnen mit 6,5 bis 8,5 mm etwa doppelt so groß werden. Anatomisch auffällig ist der im Vergleich zu anderen Arten wie der Schwarzen Wegameise (*Lasius niger*) relativ flache Thorax der Königin, was als Anpassung an das Leben in schmalen Hohlräumen gedeutet werden kann. Männliche Geschlechtstiere liegen mit 4 bis 5 mm Größe zwischen den Kasten. Verhaltensbiologisch wird *Lasius brunneus* als wenig aggressiv und bei Störungen schnell flüchtend beschrieben. Die Art legt ihre Laufwege oft verdeckt in Rissen oder unter Rinde an, um unbemerkt zwischen Nest und Nahrungsquelle zu pendeln. Eine Verwechslungsgefahr besteht primär mit der Zweifarbigen Hausameise (*Lasius emarginatus*), welche jedoch einen schlankeren Körperbau aufweist. Historisch wurde die Art bereits 1798 von Latreille als *Formica brunnea* erstbeschrieben.[7] In der modernen Ökologie gilt die *Lasius brunneus*-Gruppe in Mitteleuropa als funktioneller Ersatz für die wärmeliebende Gattung *Liometopum*, die hier vermutlich durch pleistozäne Vereisungen verdrängt wurde.[8]
Die Verbindungswege zwischen den Brutkammern werden von *Lasius brunneus* so gewählt, dass die Wanderung der Arbeiterinnen möglichst unsichtbar erfolgt. Lassen sich freie Flächen nicht vermeiden, werden diese von den Tieren schnell überquert. Bei Störungen verhält sich die Art im Vergleich zu anderen Ameisen wenig aggressiv und flüchtet zügig. Treten jedoch zwei Kolonien im selben Baum auf, bekämpfen sie sich bei Kontakt gegenseitig.[3] Ein zentraler Aspekt des Verhaltens ist die intensive Trophobiose mit Blattläusen, deren Hinterleib die Ameisen mit den Fühlern betrillern, um die Abgabe von Honigtau anzuregen. Diesen Honigtau transportieren sie im Kropf in das Nest, wo er an andere Nestgenossinnen weitergegeben wird. Die Arbeiterinnen verteidigen ihre Blattläuse zudem aktiv gegen Fressfeinde wie Marienkäfer.[9] Für den Nestbau zerlegen die Ameisen morsches Holz oder Dämmstoffe mit ihren Mundwerkzeugen in winzige Teile und transportieren diese ab.[11] Auch in Dämmplatten aus Polystyrol werden umfangreiche Wege und Kammern angelegt.[12] Die Geschlechtstiere schwärmen an warmen Hochsommertagen, wobei die Begattung im Fluge stattfindet. Nach dem Abwerfen der Flügel gründet die Königin claustral in einer geschlossenen Kammer, beispielsweise unter Borke.[3]
Die Art besiedelt vorwiegend lichte Laubwälder, Obstwiesen und Parkanlagen, wobei sie stets an Gehölze gebunden ist. In Mitteleuropa gilt *Lasius brunneus* neben der Glänzendschwarzen Holzameise (*Lasius fuliginosus*) als die häufigste an Holz lebende Vertreterin ihrer Gattung. Die Nester werden primär in morschem Totholz oder im Wurzelbereich angelegt, wobei die Kolonie von dort aus auch in lebendes Holzgewebe vordringen kann. *Lasius brunneus* deckt ihren Energiebedarf hauptsächlich durch intensive Trophobiose, indem sie Honigtau von Blattläusen sammelt. Im Gegenzug verteidigen die Arbeiterinnen ihre Nahrungslieferanten aktiv gegen Fressfeinde wie Marienkäfer und deren Larven. Da mit dem Laubfall im Herbst die Populationen der Blattläuse auf den Bäumen schwinden, sinkt das Nahrungsangebot drastisch, was die Winterruhe des Ameisenstaates einleitet. Ergänzend zur flüssigen Nahrung werden auch Insekten als Beute in das Nest eingetragen. In geeigneten Habitaten wie Eichen-Hainbuchen-Wäldern wurden Nestdichten von bis zu 23 Nestern auf 100 m² beobachtet. Befinden sich zwei Kolonien auf demselben Baum, verhalten sie sich territorial und bekämpfen sich bei direktem Kontakt.[1] Paläoökologisch betrachtet füllt die *Lasius brunneus*-Gruppe im heutigen Mitteleuropa Nischen aus, die vor den pleistozänen Vereisungen wahrscheinlich von der Gattung *Liometopum* besetzt waren.[8]
In Deutschland gilt *Lasius brunneus* als die am häufigsten gemeldete schädliche Wegameisen-Art in Gebäuden.[11] Die Art nistet primär in morschem Totholz, besiedelt jedoch auch verbautes Holz, wobei sie Material bevorzugt, das bereits durchfeuchtet ist. Das Schadbild umfasst die großflächige Zerstörung von Holzstrukturen. Auch Gipskartonplatten werden von den Tieren zerkleinert. Besonders in Wärmedämmplatten aus Polystyrol (EPS und XPS) legen die Ameisen umfangreiche Wege und Kammern an.[15] Die Arbeiterinnen zerlegen das Baumaterial mit ihren Mundwerkzeugen in winzige Teile. Dieses Material wird anschließend abtransportiert, wodurch der Befall oft erst spät durch den Auswurf sichtbar wird. Da die Wanderwege der Ameisen meist verdeckt innerhalb der Bausubstanz verlaufen, bleibt der Befall lange unbemerkt.[11] Bei Störungen verhalten sich die Tiere scheu und flüchten schnell, anstatt aggressiv zu reagieren. Eine Bekämpfung ist oft schwierig, da handelsübliche Fraßgifte wie Ködergranulate mit Fipronil von der Art häufig gemieden werden.[15] Der Befall in Häusern geht oft von Kolonien in nahestehenden Laubbäumen aus, da die Ameisen dort Honigtau von Blattläusen sammeln.[16]
Die wirtschaftliche Bedeutung von *Lasius brunneus* begründet sich vor allem durch ihre Rolle als Materialschädling in Gebäuden, wo sie in Deutschland als die am häufigsten gemeldete Wegameisen-Art gilt.[13] Die Art besiedelt alternativ zu ihrem natürlichen Habitat auch gelagertes und verbautes Baumaterial in der Nähe von Laubbäumen. Wenn Konstruktionsholz durchfeuchtet ist, kann die Braune Wegameise dieses großflächig zerstören. Neben Holz werden auch Gipskartonplatten von den Arbeitern zerkleinert. Ein besonderes Problem stellt der Befall von Wärmedämmungen dar, da die Ameisen in EPS- und XPS-Platten aus Polystyrol umfangreiche Wege und Kammern anlegen.[14] Diese Dämmstoffe weisen eine ähnliche Materialbeschaffenheit auf wie das von der Art bevorzugte feuchte Totholz. Da die Tiere das abgetragene Material oft in andere Hohlräume verbringen, wird der Schädlingsbefall häufig erst spät sichtbar.[13] Zwar bevorzugt die Art bei der Nestanlage totes Holz, sie kann jedoch von dort aus auch in lebendes Holz vordringen.[9]