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Aussehen & Bestimmungsmerkmale
Lamium album ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 80 Zentimetern erreicht und durch kurze, kriechende Rhizome dichte Bestände bildet. Die aufrechten oder aufsteigenden Stängel sind im Querschnitt vierkantig, meist unverzweigt und oft an der Basis purpurn überlaufen sowie spärlich mit rückwärts gerichteten Haaren besetzt. Die gegenständig angeordneten Laubblätter besitzen eine dreieckige bis herzförmige Spreite von 3 bis 8 Zentimetern Länge und 2,5 bis 5 Zentimetern Breite. Ihre Blattränder sind grob gesägt oder gekerbt, wobei die Blattflächen dünn mit drüsenlosen Haaren bedeckt sind. Während die unteren Blätter bis zu 8 Zentimeter lange Stiele aufweisen, sind die oberen Stiele kürzer (1 bis 6 Zentimeter) und die obersten Blätter sitzen fast direkt am Stängel. Die Blüten stehen in dichten, quirligen Scheinkränzen aus 3 bis 12 Einzelblüten in den Achseln der oberen Laubblätter. Die 1,5 bis 2,5 Zentimeter lange, zygomorphe Krone ist charakteristisch weiß (selten hellrosa) und besitzt eine gebogene Röhre sowie eine helmförmige, behaarte Oberlippe von 8 bis 10 Millimetern Länge. Die Unterlippe ist herabgeschlagen und in zwei Seitenlappen geteilt, wobei vier Staubblätter aus der Kronröhre herausragen. Der röhrig-glockige Kelch misst 9 bis 15 Millimeter und endet in dreieckigen bis pfriemlichen Zähnen, die länger als die Kelchröhre sind. Nach der Befruchtung zerfällt die Klausenfrucht in vier eiförmige, dunkelbraune Teilfrüchte (Klausen), die 2 bis 3,5 Millimeter lang sind. Diese Nüsschen sind an der Basis dreikantig, am oberen Ende gestutzt abgerundet und besitzen ein ölhaltiges Anhängsel (Elaiosom) zur Verbreitung durch Ameisen.[1] Morphologische Variationen existieren zwischen den Unterarten, wobei sich beispielsweise *L. album* subsp. *barbatum* durch Merkmale der Behaarung und Blütengröße von der Nominatform unterscheidet. Eine Verwechslungsgefahr besteht vor allem im vegetativen Zustand mit der Großen Brennnessel (*Urtica dioica*), von der sich *Lamium album* jedoch durch das völlige Fehlen von Brennhaaren sicher unterscheiden lässt.[1]
Lamium album ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die durch ihre ausgeprägte Ähnlichkeit mit der Großen Brennnessel (*Urtica dioica*) auffällt, jedoch keine Brennhaare besitzt. Im natürlichen Lebensraum bildet die Art durch kriechende Rhizome oft dichte, vegetative Bestände, die Wuchshöhen von 20 bis 80 Zentimetern erreichen.[1][3] Die aufrechten, vierkantigen Stängel sind typisch für Lippenblütler und tragen kreuzgegenständige, herzförmige bis dreieckige Blätter mit grob gesägten Rändern.[1][2] Ein wesentliches Erkennungsmerkmal im Feld ist die weiche Behaarung der Blattoberflächen, die im Gegensatz zur Brennnessel bei Berührung völlig harmlos ist, was ihr den Namen „Taubnessel“ einbrachte.[2][3] Anatomisch zeigt die Blüte eine hochspezialisierte Anpassung an Bestäuber: Die weiße Krone besitzt eine helmförmige Oberlippe, die die Staubblätter schützt, und eine zweigeteilte Unterlippe als Landeplatz.[4][3] Mikroskopische Untersuchungen der Unterlippe offenbaren Saftmale in Form von erhöhten epidermalen Papillen, die Flavonoide enthalten und Insekten optisch sowie olfaktorisch zum Nektar leiten. Der Nektar wird von einem ringförmigen Nektarium an der Basis des Fruchtknotens abgesondert, der reich an Zuckern und Polyphenolen ist. Die Art ist protandrisch (vormännlich), was bedeutet, dass die männlichen Organe vor den weiblichen reifen, um die Fremdbestäubung durch langrüsselige Insekten wie Hummeln zu fördern.[3] Nach der Befruchtung entwickeln sich Klausenfrüchte, die in vier kleine, dunkelbraune Teilfrüchte (Nüsschen) zerfallen.[1] Diese Samen besitzen ein Elaiosom (Ölkörperchen), eine anatomische Anpassung für die Myrmekochorie, bei der Ameisen die Samen aufgrund des nährstoffreichen Anhängsels verschleppen und so die Ausbreitung sichern.[4] Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzenarten blüht *Lamium album* über einen ausgedehnten Zeitraum von April bis in den späten Herbst, in milden Wintern sogar bis Dezember.[3] Die Pflanze dient zudem als Wirt für verschiedene Blattlausarten wie *Aphis lamiorum*, die die Stängel ganzjährig besiedeln, sowie als Nahrungsquelle für Mollusken.[1] Historisch wurde die Art bereits 1753 von Carl von Linné in *Species Plantarum* erstbeschrieben und als *Lamium album* taxonomisch fixiert.[2] Eine wissenschaftshistorische Besonderheit ist die Nutzung der weichen Blätter durch Mikhail Tsvet im frühen 20. Jahrhundert zur Extraktion von Chlorophyllen für die Entwicklung der Adsorptionschromatographie.[2] Phytochemisch unterscheidet sich die Art von verwandten Spezies durch spezifische Iridoide in den Drüsenhaaren der Krone sowie hohe Konzentrationen an Verbascosid.[3]
Sistematica
Name & Einordnung
Der anerkannte wissenschaftliche Name der Art lautet *Lamium album* und wurde 1753 von dem schwedischen Botaniker Carl von Linné in seinem fundamentalen Werk *Species Plantarum* erstbeschrieben.[2] Die Art gehört zur Gattung *Lamium* (Taubnesseln) und fungiert als Typusart für die Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).[1] Der Gattungsname *Lamium* leitet sich vom griechischen Wort *laimos* („Schlund“ oder „Hals“) ab, was auf die röhrenförmige Struktur der Blütenkrone anspielt, oder alternativ vom lateinischen *lamium* für „Taubnessel“. Das Art-Epitheton *album* entstammt dem Lateinischen (*albus*) und beschreibt die charakteristische weiße Farbe der Blüten.[3] Der deutsche Trivialname „Weiße Taubnessel“ sowie das englische „white dead-nettle“ verweisen auf die vegetative Ähnlichkeit zur Großen Brennnessel (*Urtica dioica*), wobei der Zusatz „taub“ (bzw. „dead“) das Fehlen der Brennhaare und somit die Harmlosigkeit bei Berührung signalisiert.[1] In antiken Schriften, etwa bei Dioskurides, war die Pflanze unter Bezeichnungen wie *galeopsis* oder *galeobdolon* bekannt, was sich vermutlich auf die weaselartige Form der Blüte bezog. Im englischen Volksglauben wird die Art auch „White Archangel“ genannt, da ihre Blütezeit um den Festtag des Erzengels Michael beginnt.[3] Taxonomisch wird die Spezies heute in drei akzeptierte Unterarten gegliedert: die Nominatform *L. album* subsp. *album*, sowie die asiatischen Varianten *L. album* subsp. *barbatum* und *L. album* subsp. *crinitum*. Molekularbiologische Studien ordnen *Lamium album* in eine gut gestützte Klade innerhalb der eurasischen *Lamium*-Linie ein, zu der auch *Lamium purpureum* und *Lamium maculatum* zählen.[1] Historische Synonyme wie *Lamium vulgatum* Benth. finden heute keine taxonomische Verwendung mehr.[1]