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Wie lange leben Kakerlaken? Lebensdauer und Lebenszyklus
giugno 10, 2026 Patricia Titz

Wie lange leben Kakerlaken? Lebensdauer und Lebenszyklus

Kakerlaken, wissenschaftlich als Schaben (Blattodea) bezeichnet, gehören zu den anpassungsfähigsten und widerstandsfähigsten Insekten unseres Planeten. Ihre evolutionäre Erfolgsgeschichte reicht über 300 Millionen Jahre bis ins Karbon zurück. Eine der häufigsten Fragen im Zusammenhang mit diesen oft ungeliebten Mitbewohnern lautet: Wie lange leben Kakerlaken eigentlich? Die Antwort auf diese Frage ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint, denn die Lebensdauer und der Lebenszyklus variieren massiv je nach Schabenart, Umweltbedingungen und Nahrungsangebot. Während einige Arten ihren gesamten Lebenszyklus in wenigen Monaten abschließen, können andere unter optimalen Bedingungen mehrere Jahre alt werden [1].

Um die Lebensdauer einer Kakerlake zu verstehen, muss man ihren gesamten Lebenszyklus betrachten. Schaben durchlaufen eine sogenannte hemimetabole Entwicklung (unvollständige Metamorphose). Das bedeutet, dass sie kein Puppenstadium besitzen. Aus dem Ei schlüpft eine Nymphe, die dem erwachsenen Tier (Imago) bereits stark ähnelt und sich über mehrere Häutungen zum geschlechtsreifen Insekt entwickelt. In diesem Artikel werfen wir einen detaillierten, wissenschaftlich fundierten Blick auf die Entwicklungsstadien, die artspezifische Lebensdauer und die faszinierenden biologischen Mechanismen, die das Leben einer Schabe bestimmen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Hemimetabole Entwicklung: Der Lebenszyklus besteht aus drei Phasen: Ei (in einer Oothek), Nymphe (mehrere Häutungsstadien) und Imago (erwachsenes Tier).
  • Artspezifische Lebensdauer: Die Deutsche Schabe lebt als Imago ca. 100 bis 260 Tage, während die Amerikanische Schabe ein Alter von bis zu 2 bis 3 Jahren (inklusive Entwicklungszeit) erreichen kann.
  • Temperaturabhängigkeit: Die Entwicklungsgeschwindigkeit korreliert stark mit der Umgebungstemperatur. Unter 15 °C stoppt bei vielen synanthropen Arten die Entwicklung nahezu vollständig.
  • Die Oothek als Schutzschild: Schaben legen ihre Eier nicht einzeln ab, sondern in widerstandsfähigen Eikapseln (Ootheken), die sie vor Austrocknung und Feinden schützen.
  • Waldschaben vs. Hausschaben: Freilebende Waldschaben (z. B. Ectobius spp.) haben oft einen zweijährigen (semivoltinen) Zyklus und überwintern als Ei oder Nymphe im Freiland.
Lebenszyklus der Kakerlake von der Oothek zur Imago.
Lebenszyklus der Kakerlake von der Oothek zur Imago.

Der hemimetabole Lebenszyklus: Von der Oothek zur Imago

Im Gegensatz zu holometabolen Insekten wie Schmetterlingen oder Käfern, die ein Puppenstadium durchlaufen, entwickeln sich Schaben direkt. Dieser hemimetabole Lebenszyklus ist ein evolutionäres Erfolgsmodell, das es den Tieren ermöglicht, in jedem Lebensstadium (außer dem Ei) mobil zu sein und aktiv nach Nahrung zu suchen. Der Zyklus gliedert sich in drei fundamentale Phasen [2].

1. Das Eistadium und die Oothek

Das Leben einer Kakerlake beginnt in einer Eikapsel, der sogenannten Oothek. Diese Struktur ist eine der bemerkenswertesten Anpassungen der Schaben. Die Oothek wird aus speziellen Drüsensekreten (Chitin-Absonderungen) am Hinterleibsende des Weibchens gebildet. Sie härtet an der Luft aus und bildet eine extrem widerstandsfähige Hülle, die oft mit Calciumcarbonat verstärkt ist. Diese Kapsel schützt die empfindlichen Embryonen vor mechanischen Schäden, chemischen Einflüssen (wie vielen Insektiziden) und vor allem vor dem Austrocknen [3].

Die Anzahl der Eier pro Oothek und die Art, wie das Weibchen mit der Kapsel umgeht, variieren stark:

  • Tragestrategie: Die Deutsche Schabe (Blattella germanica) trägt die Oothek (mit 30 bis 48 Eiern) bis kurz vor dem Schlüpfen der Larven am Hinterleib. Dies garantiert den Eiern optimalen Schutz und eine kontinuierliche Feuchtigkeitsversorgung durch das Muttertier [4].
  • Ablagestrategie: Die Orientalische Schabe (Blatta orientalis) und die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana) tragen die Oothek nur wenige Stunden bis Tage und kleben sie dann an geschützten, feuchten Orten fest, oft getarnt mit Speichel und Substratpartikeln [5].

2. Das Nymphenstadium (Larvalentwicklung)

Nach der temperaturabhängigen Embryonalentwicklung schlüpfen die Nymphen. Sie sprengen die Oothek oft synchron auf. Frisch geschlüpfte Nymphen sind winzig, flügellos und zunächst fast weiß und weich, da ihr Exoskelett noch aushärten und Pigmente (Melanin) einlagern muss. Dieser Prozess dauert meist nur wenige Stunden.

Da das Chitin-Exoskelett nicht mitwächst, müssen sich die Nymphen häuten, um größer zu werden. Die Anzahl dieser Häutungsstadien (Instars) ist artspezifisch und kann durch Umweltfaktoren beeinflusst werden. Die Deutsche Schabe durchläuft in der Regel 5 bis 7 Häutungen, während die Amerikanische Schabe 6 bis 14 Stadien benötigt [6]. Dieser Prozess wird hormonell streng reguliert, primär durch das Juvenilhormon und das Häutungshormon 20-Hydroxyecdyson. Während der Häutungsphase sind die Tiere extrem verwundbar und ziehen sich tief in ihre Verstecke zurück.

Wussten Sie schon? Das Phänomen der "sozialen Fazilitation"

Bei vielen Schabenarten, wie der Australischen Schabe (Periplaneta australasiae) oder der Deutschen Schabe, entwickeln sich Nymphen, die in Gruppen (gregär) aufwachsen, signifikant schneller als isoliert gehaltene Individuen. Chemische Signale (Aggregationspheromone) im Kot und direkter Körperkontakt (Thigmotaxis) stimulieren das Wachstum und verkürzen die Lebenszyklusdauer [7].

3. Die Imago (Das adulte Stadium)

Mit der letzten Häutung (Reifehäutung) erreicht die Schabe das adulte Stadium (Imago). Erst jetzt sind die Geschlechtsorgane vollständig ausgebildet. Bei geflügelten Arten entfalten sich nun die Flügel, auch wenn viele synanthrope Arten (wie die Deutsche oder Orientalische Schabe) flugunfähig sind oder ihre Flügel nur für kurze Gleitflüge nutzen. Ab diesem Zeitpunkt wächst das Insekt nicht mehr. Die primäre biologische Aufgabe der Imago ist die Reproduktion.

Lebensdauer und Entwicklungsphasen von vier Schabenarten
Lebensdauer und Entwicklungsphasen von vier Schabenarten

Lebensdauer und Entwicklungszeiten der wichtigsten Schabenarten

Die Frage "Wie lange leben Kakerlaken?" muss für jede Spezies einzeln beantwortet werden. Die Spanne reicht von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren. Im Folgenden betrachten wir die Lebensdaten der weltweit relevantesten Arten im Detail.

Die Deutsche Schabe (Blattella germanica)

Die Deutsche Schabe ist der weltweit häufigste Hygieneschädling in Innenräumen. Ihr evolutionärer Vorteil liegt in ihrer extrem schnellen Generationsfolge.

  • Embryonalentwicklung: Bei optimalen 30 °C dauert es nur etwa 17 Tage, bis die Nymphen schlüpfen. Bei kühleren 22 °C verlängert sich diese Phase auf ca. 24 Tage [8].
  • Nymphenentwicklung: Die Entwicklung vom Schlüpfen bis zur Imago dauert bei 30 °C rund 41 Tage. Bei 22 °C kann sie sich auf 123 bis 244 Tage ausdehnen.
  • Lebensdauer der Imago: Erwachsene Tiere leben durchschnittlich 100 bis 260 Tage (ca. 3 bis 8 Monate).
  • Gesamtlebensdauer: Unter idealen Bedingungen lebt eine Deutsche Schabe von der Eiablage bis zum natürlichen Tod etwa ein halbes bis dreiviertel Jahr. In dieser Zeit kann ein einziges Weibchen durch die Produktion von 4 bis 8 Ootheken den Grundstein für eine Population von mehreren Tausend Nachkommen legen [9].

Die Amerikanische Schabe (Periplaneta americana)

Die Amerikanische Schabe ist die größte der peridomestischen Schaben und ein wahrer Marathonläufer, was ihre Lebensdauer angeht. Sie bevorzugt warme, feuchte Habitate wie Kanalisationen oder Heizungskeller.

  • Embryonalentwicklung: Die Eier benötigen je nach Temperatur 29 bis 58 Tage zum Schlüpfen.
  • Nymphenentwicklung: Diese Phase ist extrem lang und variabel. Sie dauert durchschnittlich etwa 600 Tage (Spannweite 168 bis 786 Tage), in denen 6 bis 14 Häutungen durchlaufen werden [10].
  • Lebensdauer der Imago: Erwachsene Weibchen können unter optimalen Bedingungen bis zu 400 bis 700 Tage (über 1 bis knapp 2 Jahre) leben.
  • Gesamtlebensdauer: Rechnet man die Entwicklungszeit und das adulte Leben zusammen, kann eine Amerikanische Schabe ein beachtliches Alter von 2,5 bis über 3 Jahren erreichen.

Die Orientalische Schabe (Blatta orientalis)

Die dunkelbraune bis schwarze Orientalische Schabe (oft auch Küchenschabe genannt) toleriert kühlere Temperaturen besser als andere Arten und findet sich oft in Kellern oder im Mauerwerk.

  • Embryonalentwicklung: Bei 30 °C ca. 44 Tage, bei 22 °C bis zu 12 Wochen (84 Tage) [11].
  • Nymphenentwicklung: Männchen benötigen bei 30 °C etwa 4 bis 6 Monate, Weibchen 9 bis 10 Monate. Bei 22 °C verlangsamt sich das Wachstum auf 10 bis 18 Monate.
  • Lebensdauer der Imago: Erwachsene Tiere leben im Durchschnitt 1 bis 6 Monate (ca. 150 Tage).
  • Gesamtlebensdauer: Der gesamte Zyklus erstreckt sich meist über 1 bis 2 Jahre, wobei in unbeheizten Gebäuden oft nur eine Generation pro Jahr hervorgebracht wird.

Die Braunbandschabe (Supella longipalpa)

Diese Art bevorzugt im Gegensatz zu den anderen wärmere und vor allem trockenere Bereiche (z. B. hinter Bilderrahmen oder in Elektrogeräten).

  • Embryonalentwicklung: 40 Tage bei 30 °C, über 70 Tage bei 22 °C.
  • Nymphenentwicklung: 54 bis 114 Tage (unter kühlen Bedingungen bis zu 355 Tage) [12].
  • Lebensdauer der Imago: Bis zu 315 Tage (durchschnittlich ca. 200 Tage).
  • Gesamtlebensdauer: Etwa 1 bis 1,5 Jahre.
Überlebensfaktoren der Kakerlake: Temperatur, Wasser und Nahrung.
Überlebensfaktoren der Kakerlake: Temperatur, Wasser und Nahrung.

Einflussfaktoren auf die Lebensdauer und Entwicklungszeit

Die oben genannten Zahlen sind Durchschnittswerte unter Labor- oder Idealbedingungen. In der Realität wird die Lebensdauer von Kakerlaken durch ein komplexes Zusammenspiel abiotischer und biotischer Faktoren determiniert.

Temperatur: Der Taktgeber des Lebens

Da Schaben poikilotherme (wechselwarme) Tiere sind, wird ihr gesamter Stoffwechsel von der Umgebungstemperatur diktiert. Dies folgt dem Prinzip der RGT-Regel (Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel). Eine Erhöhung der Temperatur um 10 °C kann die Entwicklungsgeschwindigkeit verdoppeln bis verdreifachen, solange das artspezifische Optimum nicht überschritten wird.

Für die Deutsche Schabe liegt das Optimum zwischen 25 °C und 32 °C. Fällt die Temperatur unter 15 °C, stagniert die Entwicklung der Nymphen vollständig. Unter 4 °C fallen die Tiere in eine Kältestarre und sterben bei längerer Exposition ab [13]. Umgekehrt führt Hitze über 42 °C zum Hitzetod durch Denaturierung von Proteinen. Die Lebensdauer einer Schabe in einem konstant auf 28 °C beheizten Großküchenbetrieb ist also drastisch kürzer (dafür die Reproduktionsrate höher) als in einem kühlen, 18 °C warmen Kellerraum.

Luftfeuchtigkeit und Wasserverfügbarkeit

Während Kakerlaken erstaunlich lange ohne feste Nahrung auskommen können (die Amerikanische Schabe bis zu einem Monat), ist Wasser der limitierende Faktor für ihre Lebensdauer. Die meisten Arten (Ausnahme: Braunbandschabe) benötigen eine relative Luftfeuchtigkeit von über 50 % bis 60 %. Ohne Zugang zu freiem Wasser sterben selbst adulte Deutsche Schaben innerhalb von ein bis zwei Wochen an Dehydration. Die Ootheken sind zwar durch ihre Chitinhülle geschützt, können aber bei extrem trockener Luft ebenfalls austrocknen (Desikkation), was zum Absterben der Embryonen führt [14].

Ernährung und Endosymbionten

Schaben sind omnivore Detritivoren (Alles- und Abfallfresser). Ihr Verdauungssystem ist hochgradig anpassungsfähig. Ein faszinierender Aspekt, der ihre Lebensdauer auch bei extrem nährstoffarmer Kost sichert, ist die Symbiose mit Bakterien. Im Fettkörper vieler Schabenarten leben endosymbiontische Bakterien der Gattung Blattabacterium. Diese Bakterien sind in der Lage, Stickstoffabfälle (Harnsäure) der Schabe zu recyceln und daraus essenzielle Aminosäuren und Vitamine zu synthetisieren [15]. Diese Symbiose ermöglicht es Kakerlaken, monatelang von extrem proteinarmer Kost (wie Papier, Klebstoff oder Hautschuppen) zu leben, ohne dass ihre Lebensdauer signifikant verkürzt wird.

Waldschaben: Der Lebenszyklus im Freiland

Wenn wir über die Lebensdauer von Schaben sprechen, dürfen wir die ökologisch wertvollen, freilebenden Arten nicht vergessen. In Mitteleuropa sind dies vor allem Vertreter der Gattung Ectobius, wie die Echte Waldschabe (Ectobius sylvestris), die Gemeine Waldschabe (Ectobius lapponicus) oder die sich ausbreitende Bernstein-Waldschabe (Ectobius vittiventris).

Im Gegensatz zu den synanthropen Schädlingen in unseren beheizten Häusern sind Waldschaben den jahreszeitlichen Klimaschwankungen schonungslos ausgesetzt. Dies zwingt sie zu völlig anderen Lebenszyklus-Strategien:

  • Diapause und Überwinterung: Waldschaben müssen den Frost überstehen. Dies tun sie meist im Eistadium (die Oothek überwintert geschützt in der Laubstreu) oder als Nymphe in einer Kältestarre (Diapause) tief im Grasfilz [16].
  • Semivoltine Zyklen: Viele Waldschaben in kühleren Regionen (wie E. lapponicus) haben einen zweijährigen (semivoltinen) Entwicklungszyklus. Im ersten Jahr überwintert das Ei, im zweiten Jahr überwintert die Nymphe (meist im 4. Stadium), und erst im Frühjahr des dritten Kalenderjahres schlüpft die Imago [17].
  • Kurzes adultes Leben: Die Lebensdauer der Imagines im Freiland ist relativ kurz und auf die Fortpflanzungssaison (Mai bis Oktober) beschränkt. Männchen der Bernstein-Waldschabe leben oft nur etwa 25 Tage, Weibchen erreichen rund 70 bis maximal 190 Tage [18]. Im Herbst sterben die adulten Tiere unweigerlich ab.

Fortpflanzungsstrategien: Oviparie, Ovoviviparie und Parthenogenese

Die Art und Weise der Fortpflanzung hat direkten Einfluss auf die Überlebensrate der Nachkommen und somit auf die Populationsdynamik. Die Ordnung der Blattodea zeigt hier eine erstaunliche evolutionäre Bandbreite.

Die meisten der hier besprochenen Arten sind ovipar: Sie legen Eier in Form einer Oothek ab. Es gibt jedoch auch Schaben (vor allem in der Familie der Blaberidae, wie die Madagaskar-Fauchschabe), die (ovo)vivipar (lebendgebärend bzw. ei-lebendgebärend) sind. Hierbei wird die Oothek in einen speziellen Brutsack (Uterus) im Hinterleib des Weibchens zurückgezogen. Die Nymphen schlüpfen im Körper der Mutter und werden lebend geboren. Dies schützt die Nachkommen perfekt vor Umwelteinflüssen und Parasitoiden (wie Schlupfwespen), verlängert aber die Trächtigkeitsdauer des Weibchens.

Eine weitere faszinierende Überlebensstrategie, die den Lebenszyklus einer Population aufrechterhalten kann, selbst wenn keine Männchen vorhanden sind, ist die Parthenogenese (Jungfernzeugung). Einige Arten, wie die Surinamschabe (Pycnoscelus surinamensis), pflanzen sich obligatorisch parthenogenetisch fort – es gibt praktisch nur Weibchen. Aber auch die Amerikanische Schabe und die Gemeine Waldschabe (E. lapponicus) sind zur fakultativen Parthenogenese fähig. Finden Weibchen keinen Paarungspartner, können sie unbefruchtete Eier legen, aus denen sich (meist weibliche) Nymphen entwickeln. Diese wachsen zwar oft langsamer und haben eine geringere Schlupfrate, sichern aber das Überleben der genetischen Linie [19].

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange lebt eine Kakerlake ohne Nahrung?

Kakerlaken können erstaunlich lange hungern. Die Amerikanische Schabe kann bis zu einem Monat ohne jegliche feste Nahrung überleben, sofern sie Zugang zu Wasser hat. Ohne Wasser sterben die meisten Arten jedoch bereits nach ein bis zwei Wochen an Dehydration.

Wie lange dauert es, bis aus einem Kakerlaken-Ei ein erwachsenes Tier wird?

Das hängt stark von der Art und der Temperatur ab. Bei der Deutschen Schabe dauert die Entwicklung vom Ei zur Imago bei warmen 30 °C nur etwa 40 bis 60 Tage. Bei der Amerikanischen Schabe kann dieser Prozess hingegen bis zu 600 Tage in Anspruch nehmen.

Können Kakerlaken den Winter im Freien überleben?

Heimische Waldschaben (Ectobius-Arten) überwintern problemlos als Ei oder Nymphe im Freiland. Tropische Schädlinge wie die Deutsche oder Amerikanische Schabe sterben bei Frost jedoch ab und können in unseren Breitengraden nur in beheizten Gebäuden überwintern.

Wie viele Eier legt eine Kakerlake in ihrem Leben?

Ein Weibchen der Deutschen Schabe produziert in ihrem Leben etwa 4 bis 8 Eikapseln (Ootheken), die jeweils 30 bis 48 Eier enthalten. Das ergibt ein Potenzial von bis zu 400 direkten Nachkommen pro Weibchen.

Warum wachsen Kakerlaken in Gruppen schneller?

Schaben zeigen ein Phänomen namens soziale Fazilitation. Chemische Botenstoffe (Pheromone) im Kot und der physische Kontakt zu Artgenossen stimulieren das Hormonsystem der Nymphen, wodurch sie sich schneller häuten und früher geschlechtsreif werden als isolierte Tiere.

Fazit

Die Lebensdauer und der Lebenszyklus von Kakerlaken sind Meisterwerke der evolutionären Anpassung. Von der rasanten, nur wenige Monate dauernden Entwicklung der Deutschen Schabe bis hin zum mehrjährigen Lebenszyklus der Amerikanischen Schabe oder der heimischen Waldschaben – die Blattodea haben Strategien entwickelt, um in nahezu jeder ökologischen Nische zu überleben. Ihre Fähigkeit, Eier in schützenden Ootheken zu verpacken, ihre Symbiose mit nährstoffproduzierenden Bakterien und ihre extreme Temperaturabhängigkeit machen sie zu faszinierenden, wenn auch im häuslichen Umfeld unerwünschten, Studienobjekten.

Gerade weil der Lebenszyklus synanthroper Arten wie der Deutschen Schabe so rasant abläuft und ein einziges Weibchen in wenigen Monaten eine Population von Tausenden Tieren begründen kann, ist bei einem Befall im Haus schnelles Handeln gefragt. Wenn Sie den Verdacht haben, dass sich Schädlinge bei Ihnen eingenistet haben, zögern Sie nicht, professionelle Hilfe durch einen Schädlingsbekämpfer in Anspruch zu nehmen, um den Lebenszyklus der Insekten effektiv und nachhaltig zu durchbrechen.

Quellenverzeichnis

  1. Pospischil, R. (2010). Schaben (Dictyoptera, Blattodea) – Ihre Bedeutung als Überträger von Krankheitserregern und als Verursacher von Allergien. Denisia 30, S. 171–190.
  2. Artenprofil — Schaben — SEO-Fachtext (KI-generiert). Taxonomische Einordnung und hemimetabole Entwicklung der Blattodea.
  3. Artenprofil — Deutsche Schabe (Blattella germanica). Biologie, Lebenszyklus und Ootheken-Produktion.
  4. Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES). Infoblatt: Allgemeines über Schaben. Biologische Merkmale synanthroper Schabenarten.
  5. Artenprofil — Orientalische Schabe (Blatta orientalis). Entwicklungszeiten und Temperaturabhängigkeit.
  6. Artenprofil — Amerikanische Schabe (Periplaneta americana). Nymphenstadien und Gesamtlebensdauer.
  7. Artenprofil — Australische Schabe (Periplaneta australasiae). Soziale Fazilitation bei Nymphen.
  8. Artenprofil — Braunbandschabe (Supella longipalpa). Entwicklungsdauer und Habitatpräferenzen.
  9. INSECT RESPECT®. Wissenswertes über das Insekt: Deutsche Schabe (Blattella germanica).
  10. Artenprofil — Waldschabe (Ectobius sylvestris). Lebenszyklus und Überwinterungsstrategien im Freiland.
  11. Artenprofil — Bernstein-Waldschabe (Ectobius vittiventris). Semivoltine Zyklen und Lebenserwartung der Imagines.
  12. Artenprofil — Lapplandschabe (Ectobius lapponicus). Fakultative Parthenogenese und zweijähriger Entwicklungszyklus.
  13. Werner, D. J. (2005). Biologie, Ökologie und Verbreitung der Kugelwanze Coptosoma scutellatum in Deutschland. Entomologie heute 17, S. 65-90. (Vergleichsdaten zur Insektenentwicklung).
  14. Fardisi, M. et al. (2019). Rapid evolutionary responses to insecticide resistance management interventions by the German cockroach. Scientific Reports 9:8292.
  15. Ebrahimi, S. et al. (2024). A Review on the Mechanism of Different Insecticide Resistance in German Cockroach. Biomed J Sci & Tech Res 55(5).
  16. Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg (2019). Schaben Information. Morphologie und Biologie von Wald- und Hausschaben.
  17. Stadt Münster, Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit (2024). Ungebetene Gäste: Deutsche Schaben.
  18. Bayerisches Landesamt für Umwelt (2003). Rote Liste gefährdeter Ohrwürmer und Schaben Bayerns.
  19. Roth, L.M. (1991). Blattodea. In: The insects of Australia, Melbourne University Press. (Zitiert nach Pospischil 2010 zur Parthenogenese und Viviparie).

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